Material Welten

Das Material ist in Kunst, Handwerk und Design oft wesentlich. Die jüngste Art Aurea zeigt, es kann auch überlebenswichtig sein.

Unsere Welt ist in einem kritischen Zustand, politisch wie ökologisch. Da stellt sich die Frage, was Gestalterinnen und Gestalter tun können, um einen sinnvollen und wirksamen Beitrag zu ihrer Bewahrung zu leisten? Ein Paradebeispiel in unserer Titelstory.

Anna Heringer hat an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz Architektur studiert. Nach einem Aufenthalt in Bangladesch bei einer Hilfsorganisation entstand das Bedürfnis, Gestaltung mit sozialer und ökologischer Verantwortung zu verbinden. Die Architektin fand eine Antwort im Bauen mit Lehm. Weil er nicht nur gesund und umweltfreundlich ist, sondern auch sehr schön. 

„Schönheit ist, wenn etwas harmonisch ist, harmonisch gegenüber dem Planeten und der Mitwelt und auch im Sinne der zukünftigen Generationen“. Diesen Satz gilt es zu verinnerlichen – für Gestalter, für uns alle, wenn wir unseren Planeten bewahren wollen. Julie Metzdorf stellt Anna Heringer, ihre Weltsicht und ihre Projekte vor.

Der Earth Campus in Tatale, Ghana, ist ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Ausbildungs- und Produktionszentrum. Ein Architekturprojekt von Anna Heringer, an dem die lokale Bevölkerung mitbaute. © Anna Heringer.

Relaxing Spaces der Firma Omicron in Vorarlberg. Design: Studio Anna Heringer, Lehm Ton Erde (Martin Rauch). Ein Beispiel, wie reizvoll Lehm auch hierzulande eingesetzt werden kann. Foto Stefano Mori.

Robert Hoffmann aus Berlin machte eine Ausbildung zum Metallbauer, bevor er an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim Metallgestaltung studierte. Die Arbeit mit Metall habe ihn schon in seiner Jugend fasziniert, erzählte er Jasmin Jouhar, die ihn an seiner Wirkungsstätte besucht hat. Neben seiner Arbeit als Produktionsleiter der Metallwerkstatt Thein & Rios entwickelt Hoffmann Leuchten und Möbel, die in Kleinserien produziert werden. Weniger, aber besser, ist sein Prinzip.

Seit seinem Studium in Hildesheim entwickelt und fertigt Robert Hoffmann Leuchten und Möbel in Metall. Foto Mathilde Agius.

Das Material, dem sich Massimo Micheluzzi verschrieben hat, ist Glas, Muranoglas, um es genau zu sagen. In den Werkstätten und Manufakturen der Insel in der Lagune von Venedig wurden über die Jahrhunderte virtuose Glasarbeiten gefertigt. Daneben entstand aber auch ein Markt für Fälschungen und im Zuge des Massentourismus viel Kitsch. Massimo Micheluzzi, ein gebürtiger Venezianer, zählt zu jenen, „die den internationalen Ruf der Vaso di Murano ins 21. Jahrhundert transformieren“, schreibt Aldonso Palacio. 

Seine skulpturalen Vasen fertigt der Venezianer Massimo Micheluzzi gemeinsam mit Meistern aus Murano. © Massimo Micheluzzi.

Massimo Micheluzzi und Robert Hoffmann sind – wie viele andere Künstler und Designer – Kulturschaffende. Ihre Werke bergen in ihrer Schönheit und Vollendung immer auch eine Spur von Hoffnung auf eine bessere Welt. Dass es zudem noch Menschen wie Anna Heringer gibt, macht fast schon zuversichtlich. 

Kurzporträts – Curators‘ Choice

Für die Rubrik „Curators‘ Choice“ sind KuratorInnen und GaleristInnen eingeladen, mit spannenden und wegweisenden Positionen aus Kunsthandwerk, Design und Kunst das Redaktionsspektrum zu erweitern und demokratisch zu ergänzen. Wir freuen uns über Vorschläge an info@artaurea.de 

In der aktuellen Ausgabe 55 sind dies:

Vera Siemund. Virtuos transformiert sie Architektur- und Bildfragmente in ungewöhnlichen Schmuck. Ausgewählt von der Galeristin Rosemarie Jäger, Hochheim.

Claude Champy. Der französische Keramiker begeistert seit langem mit expressiven Meisterwerken. Das gerade bei Arnoldsche Art Publishers erschienene Buch “Star Dust“ war der Anlass, diesen Ausnahmekünstler zu präsentieren.

Bettina Speckner. Erzählerisch sollen sie nicht sein, ihre kunstvollen Schmuckstücke, aber die Fantasie erregen sie umso mehr. 

Brosche von Bettina Speckner. Emailfoto, Silber, Muschel, Onyx, Tahitiperle, 7×7,5 cm. © Bettina Speckner.

Heike Stuckstedde. Mit ihren Lichtobjekten und Installationen bewegt sie sich virtuos zwischen Design und Kunst.

Review

Akio Takamori. Rücksicht. Ausstellung mit figurativer Keramikkunst aus Japan im Keramikmuseum Westerwald.

Begegnungen im Wilhelm-Busch-Haus. Heidi Degenhardt, Gudrun Petzold und W. Jo Brunner. Naturalistische Werke von zwei Keramikerinnen und einem Maler.

Handwerk & Design 2024. Das Forum für gestaltendes Handwerk auf der Internationalen Handwerksmesse München. 

Interventionen im Grassi Museum. Zeitgenössische bildende Kunst im Dialog mit Werken der angewandten Kunst. 

Auch während der Grassimesse verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk. Hier die letztjährige Präsentation von Ute Kathrin Beck in einem der historischen Sammlungsräume. © Grassi Museum Leipzig.

Keramik trifft Wüstenlandschaft. Jochen Rüth und Hartmut Pfeuffer / Ceramics Encounter Desert Landscapes. Jochen Rüth and Hartmut Pfeuffer.

Schmuckdesign 2024. Inhorgenta. Die Inhorgenta feiert Jubiläum. Schmuckdesign in Halle B2.

Sigurd Bronger. Trag-Objekte. Soloshow in der Münchner Pinakothek der Moderne. 

5. Siegburger Keramikpreis. Alix Brodeur siegte mit einer Rauminstallation.

Die Frühjahrs-Ausgabe 2024 hat inklusive Umschlag 92 Seiten und ist ab 27. Februar erhältlich in führenden Galerien und Geschäften für 12 Euro (EU 14 euros). Bestellungen per Mail an artaurea@pressup.de.

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