Das letzte Fest gestalten

Mit ihrer Bestattungsfirma „w e i s s … über den tod hinaus“ geht Lydia Gastroph neue Wege. Darauf wurde auch die ARD aufmerksam.

Seit 2010 bietet die Schmuckdesignerin Lydia Gastroph Bestattungen mit kunstvollen Urnen und Särgen an. Künstlerisch anspruchsvoll können diese auch schon im Leben benutzt werden. In der Reihe „[w] wie wissen“ berichtete jüngst die ARD über das Münchner Unternehmen. Dabei ging es vor allem um das Thema „Ökologische Bestattungen“. Worauf es Lydia Gastroph mit ihrer Firma „w e i s s … über den tod hinaus“ vor allem ankommt, lesen Sie im folgenden Interview.

Lydia Gastroph, Kati Jünger, Urnen, weiss über den Tod hinaus

Viele der schön gestalteten Urnen von von Lydia Gastroph stammen von der Keramikkünstlerin Kati Jünger.

Art Aurea: Wie ist die ARD, bzw. die Redaktion der Serie „[w] wie wissen“ auf Dein Bestattungskonzept aufmerksam geworden?

Lydia Gastroph: Zum Thema „Ökologische Bestattungen“ etwas Brauchbares zu finden, stellte sich als schwierig heraus. Es hat sich aber herumgesprochen, dass es einen Schreiner gibt, der für eine Münchner Goldschmiedin und Bestatterin Sargschränke baut. So wurde die Redaktion auf mich aufmerksam.

AA: Was gab den Ausschlag, dass Du neben der Schmuckgestaltung und -fertigung 2010 die Firma „w e i s s … über den tod hinaus“ gegründet hast?

LG: Mein immer wieder bei Beerdigungen auftauchender Unmut über das dort dargebotene, von mir so empfundene „optische Grauen“. Den entscheidenden Ausschlag gab dann meine lebensbedrohlich an Krebs erkrankte Schwester, die unbedingt von mir bestattet werden wollte.

AA: In der Fernsehsendung des ARD wird besonders der Aspekt „Nachhaltige Urnen und Särge“ hervorgehoben. Was war und ist Dein zentrales Anliegen bei Deinem Bestattungskonzept?

LG: Mein zentrales Anliegen ist, der standardisierten Massenware beim „letzten Gang“ eine hochwertige künstlerische Gestaltung entgegen zu setzten. Die Nachhaltigkeit ist dabei für mich eine Selbstverständlichkeit.

AA: Seit der Gründung von „w e i s s … über den tod hinaus“ sind inzwischen zehn Jahre vergangen. Was waren Deine wichtigsten Erfahrungen? Welche Menschen sind es, die sich dafür interessieren?

„w e i s s … über den tod hinaus", Lydia Gastroph, Urnen

Können Urnen und Särge nicht auch schön gestaltet sein? Lydia Gastroph zeigt, wie diese aussehen.

LG: Meine wichtigste Erfahrung ist die, wie wohltuend und tröstlich es ist, das letzte Fest schon lange im Voraus zu planen. Menschen, die mit Kunst und Gestaltung vertraut sind, möchten so ein Angebot wie das von „w e i s s … über den tod hinaus“nicht missen.

AA: Als Bestatterin kommt man den Menschen in einer existenziellen Situation sehr nahe. Kann man vielleicht auch spüren, welche Veränderungen sich zumindest in einem Teil der Gesellschaft vollziehen?

LG: Die Menschen wollen nicht nur selbstbestimmt leben, sondern auch selbstbestimmt sterben und nach Ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen bestattet werden, passend zu ihrem Lebensstil. Trostlose, standardisierte Abschiede werden zum Glück langsam bunter und vielfältiger.

Video-Empfehlung auf DasErste.de:
W wie Wissen – „Ökobestattung“ Nachhaltige Särge und Urnen – Lydia Gastroph, Bestatterin und Künstlerin
http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/nachhaltige-Saerge-video-100.html

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