Frauen für die Kunst

Lange wurden Kunst, Handwerk und Design von Männern dominiert. Doch Wesentliches haben auch Frauen geleistet. Art Aurea 1-2026 zeigt Beispiele.

Im Verlauf der Moderne haben viele mutige und visionäre Frauen für ihre Rechte gekämpft. Nicht wenige mussten dafür sterben, leider bis heute. Ein Medium des Widerstandes und der Emanzipation war und ist für manche von ihnen die Kunst. Zum Beispiel für Ida Dehmel, die 1926 die GEDOK in Hamburg gegründet hat. Die Abkürzung steht für ‚Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen‘. Seitdem hat diese Frauenvereinigung, heute ein eingetragener Verein, nicht nur ungezählte Frauen künstlerisch gefördert, ermutigt und ihre Arbeitsbedingungen verbessert. Zum Selbstverständnis von Ida Dehmel und der GEDOK gehörte von Beginn an die Gleichstellung von freier und angewandter Kunst. Beispiele in den Review-Beiträgen „Künste, Frauen, Netzwerk“ und „Kettenreaktion“.

Zu sehen in der Ausstellung Kettenreaktion anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der GEDOK in München, 4.3.–17.4.2026. Kirsten Plank, Halsschmuck/Portrait Marylin – broken beauty, 2023. Silber, Bronze, Pigment, Holz, Knochen. © Kirsten Plank.

Die Kindheit von Gertraud Möhwald endete mit der Zerstörung ihrer Geburtsstadt Dresden 1945 und dem Tod ihres Vaters. So begann ihre Entwicklung als Keramikerin und Bildhauerin zwischen den Trümmern einer zerbombten Stadt. Bei ihrer Bewerbung an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein riet man Gertraud Möhwald, vor dem Studium eine Lehre zu machen. Mit ihrer daraus resultierenden Fähigkeit, die Dinge zu begreifen und plastisch zu entwickeln, wurde sie eine bedeutende Lehrerin und ein Vorbild für viele KünstlerInnen, die sich dem Ton als künstlerischem Werkstoff widmen. Unser Interview mit Renate Luckner-Bien vertieft das Thema.

Gertraud Möhwald, Büste einer Frau, die die Hand an den Kopf hält, 1992, H 45,5 cm, Museum für angewandte Kunst, Gera. Photo: Marcus Rebhan, ThULB Jena.

Wir leben in einer Zeit, die, wie lange nicht mehr, unter narzisstischen Herrschern zu leiden hat. Sogar die historisch gewachsene Bindung zwischen Europa und den USA steht auf der Kippe. Da ist daran zu erinnern, dass es auch noch ein anderes Amerika gibt, zum Beispiel das von Helen Williams Drutt. Die 1930 geborene Galeristin und Sammlerin aus Philadelphia hat sich ihr Leben lang unermüdlich für die angewandte Kunst und insbesondere für Schmuck als künstlerisches Medium eingesetzt. Helen Drutt reiste bereits in den 1960er Jahren nach Deutschland, um die Schmuckkunst auf dieser Seite des Atlantiks kennenzulernen. Sie hat seitdem zahlreiche Freundschaften geknüpft und zur gegenseitigen Wertschätzung zwischen USA und Europa beigetragen. Unser Beitrag über amerikanische und deutsche Schmuckkunst aus der Sammlung Helen Williams Drutt in der Galerie Handwerk.

Schmuckkunst überschreitet Grenzen und verbindet Kontinente. Die Sammlung von Helen Drutt beweist es. Zu sehen ab 4. März 2026 in der Münchner Galerie Handwerk. Elizabeth Garrison, Brosche Nachtangeln #1, 1986. Ebenholz, Emaille, Silber, 9,6 x 7 x 0,4 cm. Foto Eva Jünger.

Die völkerverbindende Kraft von (angewandter) Kunst findet sich auch in der Geschichte von Erico Nagai. Sie war die erste Studentin aus Japan, die an der Akademie der Bildenden Künste in München in der Klasse für Gold- und Silberschmiedekunst studiert hat. Die handwerkliche und künstlerische Qualität ihrer Arbeiten hat anspruchsvolle Galeristen davon überzeugt, dass Schmuck auch neben bedeutender Bildender Kunst bestehen kann. Der Lebensweg von Erico Nagai, die ihre neue Heimat seit langem in München gefunden hat, ist ein weiteres Beispiel, was alles möglich ist, wenn Frauen ihre Fähigkeiten in Kunst und Handwerk kulturübergreifend entwickeln. 

Erico Nagai war die erste Studentin aus Japan, die an der Akademie der Bildenden Künste in München in der Klasse für Gold- und Silberschmiedekunst studiert hat. Ihre spannende Geschichte im neuen Art Aurea Magazin.

Viele KünstlerInnen haben in jüngster Zeit auf Biennalen und großen Ausstellungen mit textilen Werken begeistert. Ursula Wagner lotet die skulpturalen Möglichkeiten von Textilien aus. Geforscht und entwickelt wird in ihrem Atelier in Murnau am Staffelsee und am TextielLab im niederländischen Tilburg. Julie Metzdorf hat die Forscherin am Webstuhl besucht. 

Curators‘ Choice

Fünf international bedeutende KünstlerInnen und ihre aktuellen Werke. Die Auswahl von Ingrid Rügemer in Zusammenarbeit mit namhaften GaleristInnen und KuratorInnen zeigt einmal mehr internationale Spitzenqualität, in der die Grenzen zwischen Kunst, Handwerk und Design nebensächlich werden.

Nikolay Sardamov. Der bulgarische Schmuckkünstler verbindet in seinen Arbeiten spielerische Leichtigkeit mit struktureller Logik. 

Bibi Smit. Licht, Farbe und fließende Formen sind charakteristische Merkmale im Glas der niederländischen Künstlerin.

Alvina Jakobsson. Geformte und organisch anmutende Falten – nicht aus Stoff, sondern aus Ton. Keramikkunst der besonderen Art aus Schweden.

Charlotte Culot. In ihren kunstvollen Teppichen übersetzt die Schweizerin die Farben und Kompositionen ihrer Collagen in eine greifbare Dimension.

Alan Meredith. Der irische Designer und Künstler respektiert die Eigenheiten des Holzes und fordert seinen Werkstoff zugleich spielerisch heraus.

Review

Unter Freunden. Amerikanische und deutsche Schmuckkunst aus der Sammlung Helen Williams Drutt in der Galerie Handwerk.

Künste, Frauen, Netzwerk. Das MK&G, Hamburg, feiert das 100-jährige Bestehen der GEDOK.

Kettenreaktion. Eine Schmuckausstellung zum 100-jährigen Jubiläum der GEDOK in München.

Was Formen verbergen. Interview mit Isabella Hund zu ihrer Ausstellung mit Kazuko Nishibayashi und Etsuko Sonobe.

Schmuckdesign 2026. Neue Arbeiten aus authentischen deutschen Werkstätten.

Treffpunkt München. Die Messe Handwerk & Design im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse München vereint Gestalterinnen aus aller Welt.

Wo es Art Aurea gibt

Das Art Aurea Magazin hat wie gewohnt mit Umschlag 92 Seiten und ist erhältlich im Abonnement sowie in führenden Galerien und Geschäften.