Zentraler Ausstellungsbereich sind die von der Handwerkskammer München und Oberbayern unter der Leitung von Barbara Schmidt organisierten Sonderschauen. Von überragender Bedeutung für den zeitgenössischen Schmuck ist die SCHMUCKmünchen. Sie wird 2026 von Sam Tho Duong kuratiert, der 1981 als 12-Jähriger mit seiner Familie als Bootsflüchtling aus Vietnam nach Pforzheim kam, dort die Goldschmiedeschulde und die Fachhochschule besuchte und heute zu den namhaften deutschen Schmuckkünstlern zählt. Ausgewählt wurden knapp 70 KünstlerInnen aus über 1000 Einsendungen – ein neuer Bewerbungsrekord. Sam Tho Duong erklärte, dass er neue Leute in die Sonderschau bringen wollte. Das Niveau sei enorm hoch gewesen, meinte der Schmuckkünstler, bei manchen Arbeiten habe er Schmerzen gehabt, sie aussortieren zu müssen.

Ein Thema auf der diesjährigen Exempla im Rahmen der Handwerk & Design ist das Reparieren. Celia Pym Socks. Foto Charles Emerson.
Als „Klassiker der Moderne“ wird 2026 Erico Nagai geehrt. 1947 in Tokyo geboren, studierte sie nach 1945 als erste Japanerin an der Akademie der Bildenden Künste in München im Bereich Schmuck- und Silberschmiedekunst. Warum sie nach München kam, weshalb sie von der Maler- in die Schmuckklasse wechselte und zu einer der bedeutenden Schmuckkünstlerinnen ihrer Zeit wurde, erfahren Sie in der Titelstory der neuen Art Aurea, Ausgabe 63, Frühjahr 2026.
Umrahmt wird die SCHMUCKmünchen von den Ausstellern der Frame. Hier präsentieren internationale Galerien internationale Schmuckkunst. Bei Rosemarie Jäger aus Hochheim sind erneut auch Spitzenwerke aus den Bereichen Gerät und Keramik zu sehen. Die SCHMUCKmünchen steht aber auch für die über 100 Ausstellungen mit Autorenschmuck im Raum München. Ein Höhepunkt für alle Freunde der tragbaren Kunstwerke ist am Messesamstag die Verleihung des begehrten Herbert-Hoffman-Preises.

Christine Demmel, Brosche Freigeist, 2025. Pergament, antike Glasperlen, synthetischer Faden, Silber, Edelstahl. Zu sehen auf der Handwerk & Design, JAC jewellery art concept, Stand B1.746. © Christine Demmel.
Großer Beliebtheit beim Messepublikum erfreut sich alljährlich die EXEMPLAmünchen mit ihren „lebenden“ Werkstätten. Unter dem Motto „Zukunft gestalten“ steht das Handwerk 2026 im Fokus von Gesellschaft und Umwelt. Dazu heißt es aus München: „Trotz Digitalisierung und künstlicher Intelligenz hält Handwerk die Welt zusammen.“ Deshalb sei die EXEMPLAmünchen mehr denn je der Zukunft gewidmet: „Mit welchen Materialien wollen wir uns in Zukunft umgeben? Wie können digitale Techniken dabei helfen, dass das Handwerk zukunftsfähig bleibt?“ Zum Beispiel baut ein Start-Up Rotorblätter aus Holz für kleine und mittelgroße Windräder. Ein Schweizer Unternehmen präsentiert Lastenräder speziell für Handwerker. Um das Thema Reparatur geht es vom Sockenstopfen über japanisches Kintsugi bis hin zur Restaurierung von historischen Kaffeehausstühlen. Ebenso werden soziale Komponenten des Handwerks präsentiert, etwa Handwerks-Ausbildung im Jugendstrafvollzug, digitales Entwerfen an der Universität Kassel oder das Erasmusplus-Programm, mit dem HandwerkerInnen in anderen Ländern arbeiten und lernen können. „Handwerk steht für Sorgfalt und Nachhaltigkeit, verbindet Bewährtes mit innovativen Ideen rund um Materialien, Techniken und Gestaltung. Es bietet maßgefertigte Lösungen, die passen und lange halten.“ Die EXEMPLAmünchen 2026 zeigt für vieles davon konkrete Beispiele.

Kaori Juzu, Japan/Dänemark, bei der Arbeit an ihrem Emailleschmuck. Teilnehmerin auf der Handwerk & Design, München 2026. © Kaori Juzu.
Um die Zukunft des gestaltenden Handwerks geht es in der Sonderschau TALENTEmünchen – Meister der Zukunft. Junge GestalterInnen bis 35 Jahre aus den unterschiedlichsten Gewerken zeigen hier – oft im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten – ihr Können: von Textilarbeiten über Schmuck und Gerät, Glas, Keramik, Möbelbau bis zu Objekten aus Papier. Zum einen sind ambitionierte Werke zu sehen, die sich aus traditionellen Gebrauchsgegenständen in Form eigenständiger Kunstobjekte präsentieren, zum anderen gibt es Arbeiten, die vor allem handwerkliche und technische Könnerschaft aufzeigen. In jedem Fall können die Besucher erkennen, welche Fragen junge Gestalterinnen und Gestalter umtreiben, welche Materialien sie bevorzugen und wie sie traditionelle Ansätze weiterentwickeln.

Kim Jihyun, Gefäß aus der Serie Balance, Messing versilbert, Ottchil-Lack, Acryl, 17,5 x 35,3 x 14,5 cm. Zu sehen auf der TALENTEmünchen. Foto KC studio.
Die „Handwerk & Design“ entstand 2008 als Teil der Internationalen Handwerksmesse. Neben den Sonderschauen und Präsentationen von regionalen Fachschulen gibt es auch eine Vielzahl von kleinen Ständen mit individuellem Kunsthandwerk. Die Idee, herausragende Leistungen aus Handwerk, Kunsthandwerk und Design auf der Internationalen Handwerksmesse zu bündeln ist längst zum Mittelpunkt der IHM geworden.
SCHMUCKmünchen im ganzen Stadtgebiet
Seit 2025 steht der Begriff SCHMUCKmünchen auch für die gesamte Schmuckwoche und mehr als 100 Schmuck-Ausstellungen in und um München. Während der Internationalen Handwerksmesse gibt es Sonderausstellungen in renommierten Schmuckgalerien wie Isabella Hund, Galerie Biro oder Galerie Scheytt, in Goldschmiedegeschäften, bei Juwelieren, in Kunstgalerien und vielen anderen Orten. Alle Ausstellungen finden sich auf der Webseite schmuck-muenchen.org, zusammengestellt von der Handwerkskammer für München und Oberbayern.
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Am Messesee 2
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