Florian Hufnagl – Ein Nachruf

Am 31. Dezember 2019 verstarb der langjährige Direktor der Neuen Sammlung im Alter von 71 Jahren in München. Von Corinna Rösner*.

Bis heute ist es eine Sensation, dass der Freistaat Bayern 2002 in München – wie zwei Jahre zuvor in Nürnberg – ein Museum der Moderne eröffnete, in dem Design Seite an Seite mit Kunst zu erleben ist. Die Durchsetzung der Konzeption ist in erheblichem Maße dem Kunsthistoriker und Museumsmann Florian Hufnagl zu verdanken. Der gebürtige Münchner starb am 31. Dezember 2019 nach langer schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren in seiner Heimatstadt.

Florian Hufnagl, die Neue Sammlung

Florian Hufnagl führte die Neue Sammlung – The Design Museum, München, zu einem überragenden Erfolg.
Foto Hannes Magerstädt.

Kein Berühmter außerhalb der Fachwelt, kein Starkurator und keiner, der im Vordergrund stand – obwohl seine Präsenz nicht zu übersehen war. Aber ein Beweger. Überraschend leichtfüßig. Ein Stratege und sorgfältig denkender Analytiker. Auf seinem Mount Everest stand er 2002, als die Pinakothek der Moderne eröffnet wurde. Den Nanga Parbat hatte er 2000 mit Eröffnung des Neuen Museums in Nürnberg erreicht.

Als einer der ersten in Deutschland kämpfte Florian Hufnagl darum, Design als wissenschaftlichen Gegenstand in der Kunstgeschichte zu etablieren. Dies tat er praxisnah als Dozent an der Ludwig Maximilians Universität München. Als Honorarprofessor an der Münchner Kunstakademie ging es ihm ebenfalls darum, dem Design und den angewandten Künsten das gleiche Gewicht zu verschaffen wie der sogenannten „Freien“ Kunst.

Hufnagls Vehikel war Die Neue Sammlung, das Staatliche Museum für angewandte Kunst (heute: The Design Museum) in München, das er von 1990 an als Direktor leitete, aber bereits seit 1980 als Konservator mit verantwortet hatte. Nach Jahren als Ausstellungsmacher und „Nachlaßschleicher“ zugunsten der Architektursammlung der Technischen Universität München, als Volontär am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und als freier Kunsthistoriker konnte er 1980 als Museumskonservator an Die Neue Sammlung gehen. Hufnagl erkannte die einzigartige Chance, mit diesem Haus sein Ideal zu verwirklichen: etwas zu bewegen, etwas Bleibendes in der Gesellschaft zu bewirken. Dahinter stand seine Überzeugung, dass Design in die Mitte der Gesellschaft gehört – keine nachträgliche Dekoration, kein Styling, sondern ästhetische Notwendigkeit.

Und so wurde Die Neue Sammlung, die Hufnagl zu beispiellosem Erfolg führte und ganz oben in der internationalen Designlandschaft positionierte, seine Lebensleistung: mit seinen rund zweihundert Ausstellungen – von Grafik- bis zu Industriedesign, von Autorenschmuck bis Foto-Kunst, von Teppichen marokkanischer Nomadinnen bis zu chinesischen Möbeln, vom Lamborghini bis zum Alessi-Objekt; mit rund neunzigtausend Neuerwerbungen, darunter gleich drei Exemplare des „Wassily Chair“ von Marcel Breuer, Werke von Zeitgenossen wie Alessandro Mendini, Sergio Rodrigues, Ikko Tanaka, Ron Arad, Richard Hutten, Olgoj Chorchoj und Konstantin Grcic – um nur wenige herauszupicken – und DDR-Design; sowie mit seinem Netzwerk in fast alle Ecken der Welt.

Ein Schauspieler und Selbstdarsteller, fintenreich und schwer zu fassen – so könnte man Hufnagl auch beschreiben. Und doch: Durch und durch korrekt. Dazu gehörte auch, dass er 1998 die Wahl zum Vorsitzenden der Direktorenkonferenz annahm, um sich als „primus inter pares“ für die Interessen der bayerischen Staatsmuseen untereinander, aber auch für ihre Belange gegenüber dem Kunstministerium einzusetzen. Die anspruchsvolle Aufgabe bedeutete enormes zeitliches Engagement und diplomatisches Strippenziehen und führte zu tiefer Ernüchterung über die Kompetenz der Staatsverwaltung.

Eine der Kernaufgaben des Museums war für ihn, das Publikum zum Hinschauen und Nachdenken zu verführen. Dazu entwickelte er unvergessliche Raum-Bilder, wie etwa die Installation „Design Vision“, das wandgroße Blow-up eines Setzkastens, das zum Wahrzeichen der Pinakothek der Moderne wurde: bestückt mit verschiedensten Objekten der Designgeschichte.

* Corinna Rösner kam als Studentin an Die Neue Sammlung. Florian Hufnagl ernannte sie 1990 zu seiner Stellvertreterin. Seit 2018 ist die Landeskonservatorin im Ruhestand.

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