Begegne dem Glück!

Objekte von Andreas Caderas in der Frankfurter Japan Art - Galerie Friedrich Müller.

Während im Westen im Verlauf der Moderne die noch im Bauhaus-Manifest propagierte Einheit von Handwerk und Kunst verlorenging, hat es diese Trennung in Japan nie gegeben. Doch auch bei uns gibt es Künstler, die in vorbildlicher Weise handwerkliches Können und Spiritualität, Materie und Geist in Einklang bringen. Der Schweizer Andreas Caderas mit seiner leidenschaftlichen Hingabe an die Schmiede- und Metallkunst ist ein Beispiel. 1955 in Basel geboren erlernte er zunächst das Goldschmiedehandwerk. Mit 18 weckte ein japanisches Schwert sein Interesse an der traditionellen japanischen Metallverarbeitung sowie der Handwerkskunst Japans. Unermüdlich vertiefte Caderas sein Wissen und entwickelte seine Techniken weiter. So studierte er noch im Alter von 43 Jahren das Schmieden von Eisen im schweizerischen Mühleberg.

Im östlichen Denken und ganz besonders in der traditionellen japanischen Volkskunst Mingei entstehen Wahrheit und Schönheit handwerklicher Dinge analog zum natürlich Seienden, das heißt, ähnlich wie in der Natur mit ihren geheimnisvollen Prozessen. Andreas Caderas hat sich in seinem Schaffen daran orientiert. In meditativer Ruhe wendet er eine immer wieder geübte und verinnerlichte handwerkliche Technik in höchster Präzision an oder lässt rein intuitiv seine Gefühle in ein Objekt miteinfließen, „absichtslos und unzensiert aus meinem innersten Empfinden“, wie er sagt.

Andreas Caderas, Japan Art, Galerie Friedrich Müller

Andreas Mathias Caderas, zwei Vasen, 2016 und 2019. Alter japanischer Bambus, Einsätze aus Silber, signiert: A C B S, Fledermaussiegel, Höhe 32 und 33 cm, Ø 7,5–7,6 cm. © Japan Art – Galerie Friedrich Müller.

Ein Thema, dem sich Caderas seit rund zehn Jahren widmet, sind Vasen und Dosen aus Bambus mit Einsätzen aus Silber. Wie seine gegossenen und geschmiedeten Frucht- und Tierformen sind sie eine Hommage an die Natur, an ihre Schönheit und Symbolik. Der 60 bis 80 Jahre alte Bambus mit seiner warmen, honigfarbenen Patina stammt aus Japan. Ein prägnantes Gestaltungselement ist der kreisförmige Wachstumsknoten, der in den Objekten in unterschiedlicher Höhe erscheint. Veränderungen der Oberfläche werden nicht kaschiert, sondern bewusst akzentuiert. So stabilisiert Caderas Risse mal mit Klammern aus geschwärztem Silber, mal mit andersfarbigen Bambusstückchen in Form von „Schwalbenschwänzen“. Manchmal verschließt er sie auch mit schwarzer, lackähnlicher Paste, mit der auch der Boden versiegelt wird. Die sensiblen Eingriffe ergänzen die naturgegebenen Farben der Stammstruktur und erhöhen dessen Lebendigkeit. Durch eine Eiseneinlage im Boden wird jede Bambusvase standfest wie ein Baum. Manchmal verbirgt sich unter dem Objekt noch ein kleiner Frosch auf einem Lotosblatt aus geschwärztem Silber. Im oberen Teil des Bambusobjekts kann ein Einsatz aus Feinsilber Wasser aufnehmen. Er ist bewusst nicht sehr tief, so dass jeden Tag Wasser nachgegossen werden muss. Es ist ein dezenter Hinweis des Künstlers, dass die Blumen aufmerksame Pflege bedürfen.

Andreas Caderas, Japan Art, Galerie Friedrich Müller

Dose, 2002. Bronze, spitzovale Form, innen mit 1 mm dickem Feinsilber getrieben, eingelegt und gelötet, Inschrift: „A very happy day in September“ ADMBS 15 x 9 x 7 cm. © Japan Art – Galerie Friedrich Müller.

Mit seinen Dosen aus Bronce und Feinsilber thematisiert Andreas Caderas natürliche Fruchtformen oder Schalen. Claudia Wilhelm schreibt dazu: „Vergleiche mit dem Kern einer Mandel oder dem einer exotischen Frucht bieten sich aufgrund der Form sowie der Einteilung in zwei Hälften an, wohingegen die verschiedenen Oberflächenstrukturen – mal weiche, parallel verlaufende Furchen bei der einen, mal fein eingeritzte parallele Linien bei einer anderen – eher über eine uralte Nuss- oder Fruchtart phantasieren lassen, die es vielleicht schon längst nicht mehr gibt.“ In jedem Fall sind die Dosen fein gearbeitete Halbschalen, die sanft und passgenau aufeinander liegen. Als Anspielung auf die Natur dient bei einer Dose ein kleines Loch, durch den ein stilisierter Wurm dringt.

Andreas Caderas, Japan Art, Galerie Friedrich Müller

Andreas Mathias Caderas, verschiedene Frösche, 2018–2019. Bronze, Silber, Silber vergoldet, ca. 4 bis 4,7 cm lang. © Japan Art – Galerie Friedrich Müller.

Das japanisch Wort für Frosch ‚kaeru‘ bedeutet gleichzeitig „zurückkehren“. Setzt sich etwa ein Zug in Bewegung, ruft man zum Abschied „Buji ni kaeru“, „Komm unversehrt zurück!“ So ist der Frosch in Japan zu einem Glückssymbol geworden, den man sich gerne zum Jahreswechsel oder beim Abschied schenkt mit den Worten „Fuku o mukaeru!“, „Begegne dem Glück!“. Die ersten Frösche von Caderas entstanden 2002 in Eisenguss als massive teils naturalistische, teils abstrakte Skulpturen bis hin zu einer Größe von über 20 cm. In jüngster Zeit entstanden vier bis fünf cm große Frösche aus Silber, Bronze und Silber vergoldet. Auch wenn sie in ihrer schlichten Abstraktion manchmal ähnlich sind, bei genauer Betrachtung ergeben sich doch oft auch deutliche Unterschiede.

Andreas Caderas, Japan Art, Galerie Friedrich Müller

Andreas Mathias Caderas in seinem Studio in Basel. © Japan Art – Galerie Friedrich Müller.

Andreas Caderas ist einer der wenigen westlichen Künstler, der seit langem in der Frankfurter Japan Art – Galerie Friedrich Müller vertreten ist. Nicht zuletzt, weil er ein japanisches Kunstverständnis verinnerlicht hat, das meisterhaftes Handwerk und künstlerische Spiritualität wie selbstverständlich vereint.

Noch bis 31.01.2020

  • Japan Art
    Galerie Friedrich Müller
    Braubachstraße 9
    60311 Frankfurt am Main
    Deutschland
  • Dienstag – Freitag 10 – 13 und 14 – 18 Uhr
    Samstag 10 – 14 Uhr
    und nach Vereinbarung
  • Link

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