Valerie Arber – Doris Kaiser

Die Galerie Angelika Metzger, Johannesberg, präsentiert Meisterwerke der Grafik und der keramischen Skulptur.

Auf den ersten Blick scheinen die Arbeiten der Amerikanerin Valerie Arber und der Deutschen Doris Kaiser kaum etwas gemein zu haben. Doch bewegen sich beide Künstlerinnen auf irritierende Weise zwischen Genres, zwischen Techniken, zwischen Geplantem und Unvorhergesehenem, zwischen kühl überlegtem Konzept und gleichsam stiller, aus dem bearbeiteten Material selbst rührender Minimal-Expression. Dabei wird hier keine Botschaft vermittelt, keine Aussage gemacht: Die Bilder von Valerie Arber wie die Skulpturen von Doris Kaiser reichen nicht über ihre unmittelbar materiale Konkretheit hinaus. Für beide gilt der einst von Frank Stella geprägte Satz: „What you see is what you see.“ Doch die manchem vielleicht aufstoßende Tautologie ist nichts weniger als das. Der vermeintlich nichts erklärende Satz kommt nämlich einer Aufforderung an den Betrachter gleich, des eigenen offenen Sehens inne zu werden und die nur allzu gern schematische-schnelle Wahrnehmung für das Vor-Augen-Liegende zu verlangsamen und zu entformeln. Dann erst beginnt das Abenteuer eines geschärften, unvoreingenommenen Sehens, das den Arbeiten von Valerie Arber und Doris Kaiser gerecht wird.

Valerie Arber

Valerie Arber, Small Speech, Silber Arcryl- und Signalfarbe, 30,8 x 22,7 cm

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Valerie Arber, Small Speech, Silber Arcryl- und Signalfarbe, 30,8 x 22,7 cm und Spare Change, 2016, Arcryl- und Signalfarbe auf Papier, 60,5 x 48 cm

Valerie Arber, 1949 in New Jersey geboren und heute in Santa Fe, New Mexico, und Marfa, Texas, lebend, hat in Schweden und an der University of New Mexiko studiert. Mit Vorliebe verwendet sie zurechtgeschnittene gedruckte Farbverläufe für collagenartige Montagen oder monotypische Drucklettern für aus gleichartigen Elementen bestehende Ordnungsmuster. Diese Nähe zur Druckgraphik ergab sich aus der Arbeit ihres Mannes Robert Arber, einem renommierten Druckgraphiker, der Auflagenarbeiten u.a. für Donald Judd oder Ilya Kabakov ausführte. Ihre in der Galerie Metzger ausgestellte Reihe von Letter-Prints fügen die immer gleiche Chiffre V in langen Bahnen und Kurven freihändig abgedruckt zu Ordnungsgebilden, die zwar insgesamt Form bilden, doch nie streng einem vorgegebenen Programm folgen. Der repetitive Prozess des Abdrückens ergibt ein zweidimensionales, in sich bewegtes Raum-Gitter oder Körper-Netz, verstärkt mitunter noch durch Überlagerung. Die immer wieder neu in Farbe getauchten monochromen Buchstaben erscheinen unterschiedlich gesättigt, mitunter verlaufen. Sichtlich ist das Ergebnis des Spieles gerade da offen, wo es sich am Ende zu einer durchlässigen Geschlossenheit verdichtet.

Valerie Arber

Die Künstlerin Valerie Arber, rechts, in ihrem Atelier in Texas

Die an der Fachhochschule in Krefeld ausgebildete Doris Kaiser, 1958 in Trier geboren und in Grefrath am linken Niederrhein lebend, ist in der deutschen Bildhauerei die Meisterin der unendlich feinen Farb- und Material-Nuance. Dabei erscheinen ihre massiv wirkenden block- und kastenartigen scharfkantigen, teils an der Wand, teils auf dem Boden schwebenden Arbeiten in ihrer kühlen, harten Geometrie zunächst wenig sinnlich. Doch der erste Eindruck der zwischen Skulptur und Plastik, zwischen Bild und Körper siedelnden, mattweißen Körper täuscht: Exakte Schnitte, leichte Verschiebungen, Schichtungen, Öffnungen, feinste Oberflächenmodulationen auf den Gebilden aus Gips und Ton erzeugen Nuancen von Weiß, von Mattierung, von Kantenschärfe. Auch ein extrem sensibilisiertes Sensorium reicht kaum aus, all diesen infinitesimalen Reichtum zu erfassen. Und schildernde Worte, erklärende Begriffe scheitern im Anblick dieser unendlichen Differenziertheit, die durch äußerlich sich wandelnde Faktoren wie Licht oder umgebenden Raum noch gesteigert wird. Es sind Lehrstücke für die verwirrende Erfahrung, dass auch klare Formen ins Unfassliche abzurücken vermag. Dabei liegt doch alles so deutlich vor Augen. Walter Lokau

Doris Kaiser

Doris Kaiser, Ohne Titel, 2009. Gebrannter Ton, Gips, 35 x 49 x 5 cm

Dorlis Kaiser

Doris Kaiser, Ohne Titel, 2013. Gebrannter Ton, Gips, 41,5 x 42,5 x 6 cm

Doris Kaiser

Doris Kaiser, Ohne TItel, 2015. Ungebrannter Ton, Gips, 60,5 x 62,5 x 2,5 cm

Doris Kaiser

Doris Kaiser, Ohne Titel, 2016. Gebrannter Ton, Gips, 27,5 x 27 x 7 cm

Doris Kaiser

Doris Kaiser vor ihrer Wandarbeit Deviation

  • Angelika Metzger
    Hauptstraße 18
    63867 Johannesberg
  • Mittwoch 14.30–19 Uhr
    Samstag 14.30–18 Uhr
    Sonntag 11–17 Uhr
  • Link

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