Aus der Zeit gefallen

Sommerausstellung von Eva Maisch im fränkischen Lindelbach mit acht künstlerischen Positionen.

Mit dem „Hofstall“ in Lindelbach haben Eva Maisch und ihr Mann Walter Jäckl einen bemerkenswerten Ort geschaffen. Bereits bei der Eröffnung 2018 offenbarte der umfunktionierte Bauernhof mit Galerieraum im ehemaligen Stall, mit großem Innenhof und geräumiger Scheune sein Potential als Begegnungs- und Ausstellungsort für angewandte Kunst. Das unterfränkische Lindelbach, ein Ortsteil des Weinorts Randersacker, liegt nur knapp 12 Kilometer entfernt von Würzburg. Mit dem romanischen Dom, der Festung Marienberg und der Residenz – sie wurde bereits 1981 in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen – bietet die historische Stadt am Main Kulturschätze von hohem Rang.

Um gegenwärtige und zukünftige Kulturschätze, die in Verbindung von meisterhaftem Handwerk und Kunst entstehen, geht es auch im zeitgenössischen Schmuck und weiteren Objekten angewandter Kunst, die Eva Maisch im Hofstall in Lindelbach präsentiert. Der Ausstellungstitel „Aus der Zeit gefallen“ klingt nach Antiquiertheit, doch verweist die Galeristin damit auf eine Fertigungsweise und Qualität, die industrielle Produkte kaum erreichen. Nicht selten geht es um Techniken, die sich über Jahrtausende hinweg entwickelt haben und seit der Moderne neu interpretiert werden.

Ulrike Hamm

Ein Beispiel ist der farbenfrohe, teils an exotische Blüten oder Wasserpflanzen erinnernde Schmuck aus Pergament von Ulrike Hamm. Pergament löste 250 n. Chr. Papyrus als Trägermaterial für Schrift ab. Die Berlinerin hat sich dessen Erforschung zum Ziel gesetzt und entdeckt immer wieder „ungeahnte Möglichkeiten“ in dem Material. Pergament sei „störrisch, geheimnisvoll, lebhaft, kostbar, unberechenbar“, sagt sie. „Ein Material, das erspürt, erobert, erschlossen werden will.“

Gabriele Hinze

Gabriele Hinze nutzt seit gut 20 Jahren die Technik des Ziselierens und Treibens. Diese wurden schon in der Bronzezeit benutzt, um plastische Schmuckstücke mit reizvollen, teils figurativen Oberflächen herzustellen. „Es ist das Prinzip der Wiederholung, das mich reizt, und etwas Meditatives hat“, sagt die Goldschmiedin aus Berlin. Als Vorbilder dienen oft Naturformen wie Blüten, Zweige oder auch Insektenflügel, die auf die Zartheit und Fragilität des Lebens hinweisen.

Jacqueline Ryan

Die in London geborene und jetzt in Umbrien lebende Jacqueline Ryan zählt zu den international bekanntesten SchmuckkünstlerInnen der Gegenwart. Auch in ihren Stücken sind Bezüge zu Natur erkennbar, jedoch geleitet von Ordnungsprinzipien, die seit der Antike Goldschmiede inspiriert haben. Der Künstlerin ist es wichtig, dass ihre Arbeit „eine andere und tiefere Dimension annimmt: eine Botschaft vermitteln, Geschichten erzählen oder den Charakter der Botschaft enthüllen.“

Gabi Veit

Gabi Veit aus Bozen verbindet in ihrem Schmuck ebenso wie in ihren vielgestaltigen Löffeln, einem unserer wichtigsten Kulturwerkzeuge, Material und Form mit Poesie und Philosophie. Ihre Löffel nennt sie „Creaturen“, es seien Geschöpfe ihrer Fantasie, inspiriert von der Natur. „Die Löffel haben Kopf und Bein, sind Blüte und Frucht, Blatt und Stiel. Sie sitzen frech auf dem Tisch und tanzen aus der Reihe. Sie reden sich um Hals und Kragen und sprechen für sich.“

Gabriele Küstner

Gabriele Küstner lernte in ihrem Studium u.a. das Verfahren zur Herstellung antiker römischer Mosaikgläser, das seit der Renaissance als ‚Millefiori‘ Glasliebhaber weltweit begeistert. Sie hat diese Technik auf eigene Weise neu interpretiert und weiterentwickelt. Dr. Rüdiger Joppien bezeichnete die Künstlerin, die sich schon als Kind von Vasarely begeistern ließ, als „Zeugin deutscher Glasgeschichte seit den 1980er Jahren mit weltweitem Renommee.“

Lutz Könecke

Lutz Könecke aus dem niedersächsischen Großenrode entstammt einer bedeutenden Keramikerfamilie und ist zwei gestalterischen Traditionen verpflichtet: Zum einem dem konstruktivistischen Formenkanon des legendären Bauhauses, in dessen Keramikwerkstatt sein Urgroßvater Otto Lindig ausgebildet wurde und als technischer Leiter wirkte. Zum anderen der Kasseler Schule und seinem berühmten Lehrer Walter Popp, der die deutsche Keramik der Nachkriegszeit maßgeblich mitgeprägt hat.

Klaus Seyfang

Klaus Seyfang aus Bissingen bei Ludwigsburg hat sein Berufsleben der Korbflechterei gewidmet. Nach dem Abitur brachte er sich das Handwerk selbst bei, absolvierte danach noch eine Lehre, um alle Kniffe dieser uralten Kulturtechnik zu erlernen. Inzwischen ist er ein über die Landesgrenzen hinaus bekannter Korbflechter, der einen internationalen Austausch pflegt und mit Kursen dazu beiträgt, dass sein schönes Handwerk, in dem Verschwendung und Zivilisationsmüll Fremdwörter sind, bewahrt bleibt.

Tobias Schäfer

Tobias Schäfer studierte nach einer Steinmetzlehre und der Ausbildung zum Gestalter im Handwerk an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Seine Serie „sticks“ sind multifunktionale Objekte, Sitz-Tische oder Skulpturen mit wiederkehrenden Elementen und Formen, die sich durch den künstlerischen Prozess des Zufalls zu Individuen entwickeln. Seine Objekte mit postmodernen Anklängen sind auf den ersten Blick kaum aus der Zeit gefallen. Aber etwas Irritation tut jeder Ausstellung gut. Die Einführung hält am 1. Juli 2022, 19 Uhr, Dr. Bettina Brendel.

  • Eva Maisch
    Im Hofstall
    Wäldleinstraße 1
    97236 Randersacker/Lindelbach
    Deutschland
  • 01.07.2022 – ab 19 Uhr
    02.07.2022 – 14 bis 21 Uhr
    03.07.2022 – 11 bis 18 Uhr
  • Link

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