Aufgetaucht – Perlglanz in Hülle und Fülle

Perlen in zeitgenössischem Schmuck bei Eva Maisch in Würzburg.

Ihr magischer Glanz, ihr schimmernder Lüster und ihre geheimnisvolle Entstehung verhalfen Perlen bereits in der Antike zu großer Bedeutung im Schmuck und in der Kunst. Die gezielte Zucht der schimmernden Umhüllung aus Perlmutt, mit der sich die Muschel vor einem Fremdkörper schützt, machte sie seit den 1920er Jahren für ein breites Publikum verfügbar. Dabei haben Zuchtperlen leider zu oft – wie alles, was in großen Mengen verarbeitet wird –an Originalität und Aura verloren.

Im zeitgenössischen Schmuck hingegen wird das gestalterische Potential dieser besonderen Materie seit einiger Zeit neu entdeckt. Ausgewählte Beispiele zeigt Eva Maisch in ihrer aktuellen Ausstellung „Aufgetaucht – Perlglanz in Hülle und Fülle“. Da „tauchen Perlen auf“ als erhabener Mittelpunkt eines klassischen Goldrings, als dezentes Ornament, sind fantasievoll oder ganz organisch eingebettet in überraschende Schmuckobjekte mit künstlerischem Anspruch.

So nutzt etwa Ambroise Degenève aus Paris Techniken wie Sandguss und Galvanoplastik. Er zerkleinert, zerschneidet und öffnet Perlen. Mit Metall umhüllt erinnern seine Kreationen an archaische Fundstücke.

Ambroise Degenève

Ambroise Degenève, Ohrschmuck fossilized pearls, Süßwasserperlen, Kupfer, oxidiertes Silber, Gold 750.

Danni Schwaag aus Bremen nutzt allein Perlmutt für ihre Arbeiten. Ihre Obsession für das Muschelmaterial begann während ihres Studiums in Idar-Oberstein. Auf der Suche nach einer nichtklassischen Perlenkette fand sie in einem Edelsteinlädchen die prächtige Muschelschale Pinctada Maxima. Die Schmuckkünstlerin sägte daraus einen Halsschmuck aus ovalen Ringen. „Seitdem arbeite ich mich durch das Material“, sagt sie und interpretiert ein uraltes Thema neu.

Danny Schwaag

Danny Schwaag, Brosche Organ I, Perlmutt, Galalith, Emaille auf Kupfer, Silber, Edelstahl-Nadel.

Melanie Georgacopoulos, aufgewachsen in Athen als Tochter eines Griechen und einer Französin, studierte nach ihrer Goldschmiedelehre an verschiedenen internationalen Akademien. In ihren Kreationen erscheint Perlmutt, zuweilen kombiniert mit runden Perlen, in geometrischer Klarheit. Immer wieder entstehen ironische Anspielungen auf klassische Schmuckformen und raffinierte optische Effekte.

Melanie Georgacopoulos

Melanie Georgacopoulos, Halsschmuck Nacre, Perlmutt kombiniert mit Südseeperlen, Weißgold 750.

Sam Tho Duong kam als vietnamesischer „Boatpeople“ nach Pforzheim, lernte dort das Goldschmiedehandwerk und avancierte nach seinem Fachhochschulstudium zum international bekannten Schmuckkünstler. Bei seinen augenfälligen Stücken drängen sich winzige Reiskornperlen aneinander; die einzelne Perle verschwindet in der Gesamtstruktur. Die Inspiration stammt von Ästen und Früchten, die bei Frost „schöne Kristalle auf der Rinde und Haut“ tragen.

Sam Tho Duong

Sam Tho Duong, Ringe Look, Süßwasserperlen, Silber 935, Nylon.

Der in München lebende und aus Japan stammende Jiro Kamata ließ sich bei seiner Broschenserie „mother“ von dem poetischen Namen mother of pearl [Perlmutter] inspirieren. Zu jeder seiner Broschen aus Perlmutt gehört ein Sockel aus silbern lackiertem Plexiglas. Darauf ist in Spiegelschrift je ein Wort eingraviert, das Menschen auf einem Youtube-Video mit Mutter assoziiert haben. Von „frustrierend“ über „Liebe“ bis „Vorbild“ reicht das Spektrum. In der schwarz verspiegelten Rückseite der Brosche ist die Spiegelschrift richtig lesbar.

Jiro Kamata

Jiro Kamata, Brosche mother – love. Perlmutt, Corian, Silber 935, Edelstahl.

Auch der Schmuck weiterer SchmuckgestalterInnen in der Ausstellung überzeugt durch Originalität und Qualität. Das gilt für den eleganten Ohrschmuck und die Ketten von Claudia Geiger aus Pforzheim, für die skulpturalen Stücke von Nikolay Sardamov aus Sofia und jene der in Italien lebenden Britin Jacqueline Ryan. Barbara Jewellery, das Label von Lehmann und Schmedding aus Düsseldorf, ist vertreten mit charaktervollen Ringen und Anhängern. Aus München sind noch die modular aufgebauten Arbeiten von Alexandra Bahlmann und die legendären Entwürfe von Angela Hübel vertreten. Von der Künstlerin Doris Conrads sind feine Muschelzeichnungen zu sehen und auch Eva Maisch, die neben ihrer Galerietätigkeit selbst Schmuck macht, taucht mit einigen Arbeiten in ihrer Perlenausstellung auf.

  • Eva Maisch Schmuck
    Sterngasse 5
    97070 Würzburg
    Deutschland
  • Link

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