Hans Coper zum 100.

Alle Ausstellungen im Keramikmuseum Westerwald wegen Schließung verschoben.

Ihre Werke werden von Sammlern hoch geschätzt und erzielen auf Auktionen seit Jahren Spitzenpreise. Von den Nazis vertrieben haben sie nach dem 2. Weltkrieg die Studiokeramik in Großbritannien maßgeblich mitgeprägt. Die Rede ist von Lucie Rie und Hans Coper.

Lucie Rie, Hans Coper

Hans Coper wurde am 8. April 1920 in Chemnitz geboren. Sein Vater Julius Coper war ein erfolgreicher Textilunternehmer. Hans und sein fünf Jahre älterer Bruder Walter wuchsen in einem großbürgerlichen Milieu auf. Nach der Machtergreifung 1933 verboten die Nazis dem jüdischen Julius Coper die Erwerbstätigkeit. Um seine nicht-jüdische Frau Erna zu schützen oder auch aus Verzweiflung brachte Julius Coper sich im Juni 1936 um. Sein Sohn Walter emigrierte 1937 nach Argentinien. Hans versteckte sich sechs Monate in Wiesbaden und ging dann nach England. Deutschland besuchte er nie wieder.

Im Mai 1940 wurde Hans Coper in England als Flüchtling festgenommen und mit Vertriebenen und Kriegsgefangenen in ein kanadisches Internierungskamp verschifft. Dort lernte er Fritz Wolf, einen Künstler aus Breslau, kennen. Bei ihren Gesprächen wuchst in Hans Coper der Wunsch, Bildhauer zu werden. Durch eine Anmeldung bei dem Pioneer Corps, einer Einheit, die Bau- und Nachschubtätigkeiten für die British Army ausführte, konnte er das Kamp verlassen und kehrte wieder nach England zurück.

Hans Coper bei Lucie Rie in der Werkstatt

1943 wurde er vom Dienst befreit und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Kurz nach Kriegsende fing er auf Empfehlung des Galeristen William Ohly als Aushilfe in einer Töpferei an, in der Knöpfe hergestellt wurden. Geleitet wurde die Werkstatt von Lucie Rie, geborene Gomperz, aus Wien. Die gelernte Töpferin war ebenfalls wegen ihrer jüdischen Herkunft nach England geflüchtet.

In der Werkstatt in der Londoner Straße Albion Mews lernte Hans Coper das Töpferhandwerk. Obwohl Lucie Rie 20 Jahre älter war und über eine hervorragende Ausbildung und eine langjährige Erfahrung verfügte, sah sie Hans Coper nicht als Lehrling oder Auszubildenden, sondern betonte stets, dass sie genauso von ihm lernen würde. In den 1950er Jahren entstand Gebrauchsgeschirr, das von Coper gedreht und von Rie glasiert und dekoriert wurde.

Lucie Rie hatte gute Kontakte, so auch zu dem Architekten Ernst Freud und dem Galeristen Henry Rothschild. Auch Bernard Leach besuchte die Werkstatt öfter. Doch weder Rie noch Coper ließen sich von seinen Ideen der schlichten japanischen Gebrauchskeramik leiten. Leach´s ideologisierte Verschmelzung der japanischen Philosophie mit dem britischen Handwerkskunst war beiden fremd. Sie entwickelten ihre ganz individuelle Ästhetik.

Charakteristische Merkmale in den Keramiken von Hans Coper und Lucy Rie

1959 bezog Hans Coper eine eigene Werkstatt. Dennoch blieb die Freundschaft eng und sie wurden oft, auch posthum, gemeinsam ausgestellt. Ab den 1960er Jahren wurden beiden mit ihrem neuen, urbanen Stil zu Ikonen der britischen Keramikszene.

Bei Lucie Ries Arbeiten steht die Oberfläche im Fokus. Sie brannte ihre Gefäße nur einmal und bediente sich oft der Sgraffito-Technik, wobei Linien in die Glasur gekratzt werden. Ihre feinfühlige, unverkennbare Oberflächengestaltung bekam einen eigenen Namen: The Lucie Rie Quiver.

Hans Copers Steinzeuggefäße zeichnen sich durch eine beschränkte Farbpalette und prägnante Formen aus. Sie sind oft aus Grundformen wie Kreis, Kegel oder Zylinder aufgebaut. Manche Formen erinnern an antike Figuren. In jeder Größe muten die Objekte monumental an und erinnern mit ihrer Sockelthematik an die Arbeiten Brancusis. Wenig bekannt ist, dass Coper auch Baukeramik herstellte.

Hans Coper verstarb am 16. Juni 1981 an den Folgen der Krankheit ALS. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen Sammlungen und Museen wie V&A London, MOMA New York, Stedelijk Museum Amsterdam und Boymans-van Beuningen Rotterdam.

  • Keramikmuseum Westerwald
    Lindenstraße 13
    56203 Höhr-Grenzhausen
    Deutschland
  • Link

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