E-Mail-Korrespondenz in Corona-Zeiten

Normal ist gerade nichts mehr. Auch nicht unsere Korrespondenz mit Autoren und KünstlerInnen.

Die Krise hat unser Leben dramatisch verändert. Kaum jemand, der nicht herausgefordert ist und umdenken muss. Wie viele Bereiche sind auch (Angewandte) Kunst, Handwerk und Design hart betroffen. Für viele KünstlerInnen, Manufakturen, Geschäfte und Galerien geht es jetzt ums Überleben. Auch wenn niemand genau weiß, wie alles weitergeht und was am Ende sein wird, steht nicht alles still.

Auch wir bei Art Aurea bringen Online-Beiträge und bereiten die nächste Ausgabe vor. Normalerweise würden wir kaum auf die Idee kommen, einige der ungezählten Mails, die bei jeder Heft-Produktion notwendig sind, zu veröffentlichen. Aber was ist gerade normal? Die übliche Korrespondenz per E-Mail wird plötzlich durch Gedanken und Sätze ergänzt und vertieft, die man zuvor kaum gehört hat. Deshalb hier der erste Gedankenaustausch mit unserem Autor Dr. Rüdiger Joppien. Der Hintergrund ist ein geplanter Beitrag über den Keramikforscher, Sammler und Galeristen Heinz-Joachim Theis und das Keramik-Museum Berlin.

Heinz-Joachim Theis

Im Keramikmuseum Berlin organisiert der Keramikforscher, Sammler und Galerist Heinz-Joachim Theis regelmäßig zwei Ausstellungen jährlich.

 

Lieber Herr Joppien,

ich hoffe, es geht Ihnen und Ihrer Familie gut.

Ich denke, dass wir den Beitrag über Theis mit dem Keramikmuseum verschieben. Zumal Sie jetzt wohl nicht nach Berlin fahren werden, oder was meinen Sie?

Ich bin noch dabei, alle Konsequenzen auch für uns als Zeitschrift zu durchdenken, denn einfach wird es nicht. Den Anzeigenkunden werde ich einen Nachlass von 50 % anbieten und hoffe, dass wir nicht allzu viele Abbestellungen bei den Abos bekommen werden. Insgesamt werde ich die Hefte im Umfang reduzieren, um Kosten zu sparen.

Falls Sie Ideen oder Anregungen haben, freue ich mich. Viele Grüße und Gesundheit,

Ihr
Reinhold Ludwig

 

Lieber Herr Ludwig,

die Zeiten sind wirklich hinterhältig, um nicht zu sagen tödlich für manches kulturelle Projekt. Waren wir uns jemals dessen bewusst, was es bedeutet, in geordneten Bahnen planen und arbeiten zu können?

Von vielen liebgewordenen Dingen werden wir Abschied nehmen müssen – aber bitte nicht von Art Aurea. Denn was bliebe uns sonst noch auf dem Gebiet der angewandten zeitgenössischen Kunst in Deutschland? Eine Lösung kann ich nicht anbieten, aber Ihre Mail macht mir die Situation bewusst. Vielleicht ist eine Verkleinerung des Umfangs eine vorübergehende Option.

Ich hatte mir lange vorgenommen, nach Berlin zu reisen, sozusagen „allen Gefahren trotzend“. Herr Theis hätte mich empfangen. Aber wenn ich die neuen Regeln der Bundesregierung richtig verstehe, ist eine Ausflugsfahrt nach Berlin wohl momentan vom Tisch, da ich nicht einkaufen fahre oder in die Apotheke gehe, oder auch nicht mit einem Familienmitglied einen Spaziergang mache. Wir müssen die weitere Entwicklung erst einmal abwarten.

Gestern sagte der Prof. vom Robert Koch Institut, er erwarte ein Abflauen der Gefahr für die nächsten 1-2 Wochen. Dann könnte ich immer noch entscheiden, denn Sie hatten mir ja Ende April als deadline genannt. Aber wenn die Lockerung nicht eintritt, werde ich wohl erst einmal hier bleiben müssen.

Dass die IHM abgesagt wurde, war ja sicher auch für Sie ein großes Unglück. Ich war drei Tage in München, habe einiges noch sehen können, war auch einen Nachmittag in der Alten Pinakothek. Heute würde ich sagen: ein großes Glück.

Bleiben Sie wenigstens gesund.

Es grüßt Sie sehr herzlich,

Ihr Rüdiger Joppien

Berliner Keramikmuseum

Innenhof des Berliner Keramikmuseums. Fotos Keramikmuseum.

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