Ernst Gamperl – Dialog mit dem Holz

Was aus einer umgestürzten Eiche werden kann. Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur.

Rund 230 Jahre wuchs die Eiche nahe Rott am Inn, bevor sie 2008 von einem Orkan entwurzelt wurde. Das Dach und das erste Stockwerk eines Hauses gingen dabei in die Brüche. Die mächtige Eiche musste mit Schwerlastkränen geborgen werden. Der drei Meter lange Erdstamm wog 10 Tonnen, der zweite Abschnitt noch etwas mehr, der größte Durchmesser lag bei 2,70 Meter.

Ernst Gamper, Lebensbaum, Gewerbemuseum Winterthur

Eine umgestürzte Eiche war der Ausgangspunkt für das Kunstprojekt „Lebensbaum“. Ernst Gamperl, rechts unten, mit einem Mitarbeiter bei der Bergung des Stamms. Foto Niklas Goslar.

Im Frühjahr 2010 kaufte Ernst Gamperl die umgestürzte Eiche. Der Drechsler und Künstler dazu: „Es handelt sich um den bisher grössten Baum, der jemals seinen Weg zu mir gefunden hat, ein Ereignis, das einem sicher nur einmal im Leben widerfährt. Würde man nach einem Baum in diesem Ausmaß suchen, man würde ihn wohl nie finden. Aber es gab einfach niemanden, der sich auf diesen Baumriesen einlassen wollte, weil er für die standardisierten Arbeitsabläufe schlicht zu gewaltig ist…“

Ernst Gamperl nahm die Herausforderung an – gestalterisch, mental und physisch. Um die Eiche zu bearbeiten, musste er seine Werkstatt erweitern, musste umbauen und neue Drehmaschinen konstruieren. Vier Jahre arbeitete er an seinem „Lebensbaum“. 2017 wurde er dafür mit dem Loewe Craft Prize im Wert von 50.000 Euro belohnt. Nun ist das „Lebensbaum-Projekt“ im Gewerbemuseum Winterthur zu sehen. Ausserdem geben in der Ausstellung Fotografien, Arbeitsfragmente und ein Dokumentarfilm Einblick in die Arbeitsweise.

Ernst Gamperl, Lebensbaum, Gewerbemuseum Winterthur

Aus dem Stamm der umgestürzten Eiche drehte Ernst Gamperl verschiedene Gefäße. Lebensbaum II, Gewerbemuseum Winterthur. Foto Bernhard Spoettel.

Ernst Gamperl, Lebensbaum, Gewerbemuseum Winterthur

Gefäßgruppe Lebensbaum IV , Gewerbemuseum Winterthur. Foto Bernhard Spoettel.

Holz ist die große Leidenschaft des 1965 geborenen Ernst Gamperl. Indem er das noch grüne Holz drechselt, bezieht er den natürlichen Trocknungsprozess in die Formgebung der Stücke ein. Der Künstler und Drechsler interessiert sich vor allem für den Dialog mit dem lebendigen Material, für die kraftvolle Form und die Qualität des Unvorhersehbaren. So werden auch Risse und Bruchstellen, Äste und Unregelmässigkeiten bewusst und kontrolliert in die Gestaltung integriert. Weitere Merkmale sind die Bearbeitung des Holzes mit unterschiedlichen Dreheisen im rotierenden Verlauf auf der Drehbank sowie das Bürsten und Einfärben der Oberflächen. Für Gamperl ist es das Material an sich, das jedes einzelne von ihm geschaffene Objekt zu einem einzigartigen Objekt macht. Das heißt, „die Kräfte, die während Jahrhunderten auf einen Baum eingewirkt und dessen Wachstum beeinflusst haben.“ Die Art und Weise, wie der Drechsler mit seinem Material umgeht ist ein Beispiel, wie aus Handwerk anspruchsvolle Kunst werden kann. Die Ausstellung wird von verschiedenen Aktionen begleitet.

Samstag, 25. Mai 2019, 16 Uhr: Eröffnung

Sonntag, 26. Mai 2019, 11 Uhr: Dialogische Führung mit Ernst Gamperl und Markus Rigert

9., 13., 14. und 15. August 2019, jeweils über Mittag: „Menu Surprise“ anlässlich der Winterthurer Musikfestwochen. Hinlegen, zuhören, eintauchen und entspannen: Lokale und nationale Musikerinnen und Musiker entführen in ihre ganz persönliche Klangwelt – einfach, akustisch und mit Liebe zubereitet.

Samstag, 7. September 2019, 16 Uhr: Buchvernissage „Ernst Gamperl – Zwiesprache“

Samstag, 28. September 2019, 20 Uhr: Ernst Gamperl und der Keramiker Thomas Bohle aus Dornbirn formen vor dem Publikum je ein eigenes Gefäß – begleitet von den Klängen des Pianisten und musikalischen Grenzgängers Nik Bärtsch.

  • Gewerbemuseum Winterthur
    Kirchplatz 14
    8400 Winterthur
    Schweiz
  • Link

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