Carl Dau – Was sich ändert

Die erste Ausstellung im Berliner Niessing Store, Schlüterstraße 39, ist Carl Dau gewidmet.

Der 1942 geborene Designer und Künstler hat mit seiner minimalistischen Formensprache die Schmuckkultur in Deutschland seit den 1980er Jahren maßgeblich beeinflusst. Von Montag, 2. September, bis Donnerstag, 31. Oktober 2019, sind Schmuckarbeiten ebenso wie sechs Wandobjekte von Carl Dau zu sehen. In seinem Vorwort zum begleitenden Katalog schreibt der Geschäftsführer der deutschsprachigen Niessing Stores, Rudolf Peter Scheben: „Bei der ersten großen Ausstellung in unseren neuen Räumen kann ich mir keinen passenderen und facettenreicheren Künstler als Carl Dau vorstellen. Er ist unter anderem: Seemann, Unternehmer, Goldschmied, Berliner und Erschaffer wunderbarer Objekte.“

Carl Dau, Niessing Store

Carl Dau, minmalistische Kette mit sanften Bögen. Gold 750, ab 2180 Euro.

Carl Dau, Niessing Store

Ring von Carl Dau. Einfach und doch spannungsvoll. Gold 750, ab 2120 Euro.

Carl Dau, Niessing Store

Schlichtheit und raumgreifender Konstruktivismus. Kette mit Doppelstäben, Gold 750, ab 3190.

Carl Dau, Niessing Store

Mit Ringen und Schmuckstücken dieser Art wurde Carl Dau zum Vorreiter einer minimalistischen Formensprache im Schmuckdesign der Gegenwart. Gold 750, ab 3380 Euro.

Arbeiten aus der Manufaktur Carl Dau sind außerdem vom 12. 09. 2019 bis 19. 10. 2019 in der großen Ausstellung zum 40-jährigen Jubiläum der Galerie Hilde Leiss in Hamburg zusammen mit den Stücken anderer GestalterInnen präsent. Im folgenden Interview erklärt Carl Dau nicht nur, wie sich sein Schmuck in den letzten Jahren verändert hat, sondern nimmt auch Stellung zu Situation und Zukunft der Schmuckkultur.

Art Aurea An was arbeitest Du gerade und was ist Dir dabei wichtig?

Carl Dau Meine Ketten waren immer klar gegliedert und ihre Gestaltung leicht zu erfassen. In jüngster Zeit haben wir daran gearbeitet, vertraute Formen überraschend neu zu kombinieren. Neu ist auch unsere stärkere Hinwendung zu Gold – zusätzlich zum vertrauten Edelstahl. Durch eine feinere Verarbeitung und zartere Formen wirken die Ketten deutlich femininer. Ringe haben mich immer gereizt. Hier sind es nicht die komplizierten, die Schwierigkeiten machen. Es sind die scheinbar einfachen, schnörkellosen, sie verzeihen nichts. Jeder Fehler ist sofort sichtbar, jede formale und technische Unsauberkeit. Doch gerade deshalb reizt es mich, an ihnen zu arbeiten.

Art Aurea Wie hat sich aus Deiner Sicht das Konsumentenverhalten im Bereich Schmuck und Luxus verändert?

Carl Dau Noch viel stärker als das Auto hat der Schmuck seine Stellung als Statussymbol verloren. Meines Erachtens gibt es nur noch drei Gründe, Schmuck zu tragen: Erstens als Geschenk eines geliebten Menschen. Zweitens als Statement für eine Lebenseinstellung, dann aber meist ohne den Materialwert herauszustellen. Drittens als spielerische Zurschaustellung einer Gruppenzugehörigkeit, so wie man es etwa beim Tragen von Armbändern sehen kann. Luxus gibt es weiterhin, aber er hat sich in andere Bereiche verlagert: hin zu Reisen, zu Wohnen (für viele heute ein ungewollter Luxus) sowie zum häufigeren Kauf von Kleidung und Interieur.

Art Aurea Wie siehst Du die Schmuckkultur gegenwärtig und in Zukunft?

Carl Dau Ich bin da eher pessimistisch. Die Pforzheimer Schmuckindustrie ist weitgehend verschwunden, weil seit langem viel weniger Schmuck aus europäischer Produktion gekauft wird. Und auch in der gestalterischen Szene lichten sich die Reihen oder es fehlt an niveauvollem Nachwuchs. Das kann man am besten auf Messen wie der Inhorgenta sehen. Ateliers, die ihre eigene Linie mit seriellem Schmuck zeigen, verschwinden immer schneller. Jedoch gibt es vermehrt EinzelkämpferInnen mit Autorenschmuck, der sehr individuelle und äußerst bewusst lebende Menschen anspricht. Im Ändern und Reparieren sehe ich eine gewisse Zukunft für SchmuckmacherInnen – ähnlich wie bei den Herrenschneidern, die uns das vorgemacht haben. Daneben wachsen wie Pilze die kleine Individualgoldschmieden, die meist austauschbar ähnliche Ringe und Anhänger mit Cabochons anbieten. Auch sie werden sich nicht halten können, wenn sie nicht eine eigene formale Nische finden und sich damit deutlich von der großen Konkurrenz absetzen. Kleine Firmen wie wir werden – bis auf wenige Ausnahmen – verschwinden, da wir dem veränderten Kaufverhalten wenig entgegensetzen können. Hinzu kommen hohe Lohn- und Mietkosten, gepaart mit dem großen Druck aus Fernost und von Amazon. Also negative Aussichten! Doch wird es immer wieder EinzelkämpferInnen geben, die mich eines Besseren belehren – und das ist gut so.

Carl Dau, Niessing Store

Schmuckminiaturen, Edelstahl und Lack, 6 x 3,2 cm, je 550 Euro.

Carl Dau, Niessing Store

Wandobjekt, Stahl und Lack, 120 x 120 cm. 16.500 Euro.

  • Niessing Berlin
    Schlüterstraße 39
    10629 Berlin
    Deutschland
  • Vernissage: Freitag, 30.08.2019, 19 Uhr
  • Link

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