Staatspreise Baden-Württemberg 2016

Die Landesausstellung mit den frischgekürten Staatspreisträgern findet gegenwärtig in Schwäbisch Hall statt.

Das Hällisch-Fränkische Museum in Schwäbisch Hall wird nicht zu Unrecht als „Perle der baden-württembergischen Museumslandschaft“ gepriesen. Es bietet wie die gesamte Kulturstadt in Hohenlohe mit ihrem mittelalterlichen Zentrum einen anspruchsvollen Rahmen für die Landesausstellung des Verbands der Kunsthandwerker Baden-Württembergs. Besuchern sei neben der historischen Altstadt mit sehenswerten Kirchen auch die Kunsthalle Würth und das Hohenloher Freilandmuseum empfohlen. In der Kunsthalle Würth läuft gegenwärtig die Ausstellungen „Wasser, Wolken, Wind. Meisterwerke rund ums Wasser“ mit Bilder von Emil Nolde über Roy Lichtenstein bis Christo. Ein künstlerisches Kontrastprogramm. Doch wer mit offenen Augen und Sinnen die Ausstellung der KunsthandwerkerInnen besucht, wird auch hier manches Meisterwerk entdecken. Vor allem wenn man bereit ist, Sôetsu Yanagi zu folgen. Nach dem  japanischen Philosophen der Mingei-Bewegung ereignet sich vor allem im Handwerk etwa des Töpfers, Schreiners, Webers oder Stofffärbers wahre Schönheit. Und dafür sind gegenwärtig immer mehr Menschen offen.

Staatspreise Baden-Württemberg

Staatspreisträgerin Martina Sigmund-Servetti. Keramik. Flaschenform linea. Limoges Porzellan, schwarzes Porzellan, transparente Feldspatglasur, H 85 und 86 cm

Staatspreise Baden-Württemberg

Iris Bodemer, Staatspreis 2016. Relief aus 20 Broschen, Silber-Guss

Gestaltung Kunst Handwerk 2016

Die mit je 4.000 Euro dotierten Staatspreise Baden-Württemberg 2016 gingen an die Schmuckkünstlerin Iris Bodemer, Pforzheim, die Marionettenbildner und -spieler Marlene Gmelin und Detlef Schmelz, Ingelfingen, sowie die Keramikerin Martina Sigmund-Servetti, Heilbronn. Die Staatspreise wurden im Rahmen des Wettbewerbs „Gestaltung Kunst Handwerk 2016“ ermittelt und am 2. Oktober vergeben. Jeweils 500 Euro erhielten der Goldschmied Gernot Leibold, Karlsruhe, die Glasbläserin Kerstin Müllerperth, Maulbronn, und die Textilgestalterin Annette Refenes-Hartmann, Nattheim. Die Goldschmiedemeisterin Kati Mussgay, Gengenbach, sowie die jungen Textildesignerinnen Eva Schlechte und Jennifer Hier, Stuttgart, bekamen die beiden Förderpreise für junges Kunsthandwerk in Höhe von je 1.500 Euro.

Der Handwerkspreis der Handwerkskammer Heilbronn-Franken von 1.500 Euro wurde der Keramikerin Susanne Lukàcs-Ringel, Zwiefalten, zugesprochen. Der Metallgestalter Thomas Gustav Kenngott, Heilbronn, erhielt den Hanns-Model-Gedächtnispreis für hervorragende Arbeiten und langjähriges Mitwirken im BdK Bund der Kunsthandwerker Baden-Württemberg e.V. Die Stadt Schwäbisch Hall vergibt noch einen zusätzlichen Publikumspreis, der bei der Finissage am 20. November überreicht wird. Während der Landesausstellung bietet das Rahmenprogramm interessante Einblicke in die Welt der Angewandten Kunst.

Der Wettbewerb mit Landesausstellung wird alle zwei Jahre vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, dem BdK Bund der Kunsthandwerker Baden-Württemberg e.V. und einer baden-württembergischen Stadt veranstaltet. Schirmherr ist 2016  Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die Stadt Schwäbisch Hall und das Hällisch-Fränkische Museum übernahmen zum zweiten Mal die Gastgeberrolle. Insgesamt hatten sich 111 KunsthandwerkerInnen aus Baden-Württemberg mit 277 Arbeiten um den Staatspreis und die Teilnahme an der Landesausstellung beworben. 87 Arbeiten von 50 KunsthandwerkerInnen wurden von einer Fachjury für die Ausstellung ausgewählt.

Gebrauchskunst und kulturelles Engagement

Das Spektrum der Arbeiten auf der Landesausstellung in Schwäbisch Hall ist breit gefächert. Da gibt es gediegene Gebrauchsobjekte wie jene der von der Handwerkskammer Heilbronn-Franken ausgezeichneten Susanne Lukàcs-Ringel. Das besondere Anliegen der in Zwiefalten lebenden Keramikerin ist die Benutzbarkeit. Ihre Kannen, Teller und Tassen sind von einer zeitlosen Ästhetik und Lebendigkeit geprägt, wie sie die um 1930 in Japan gegründete Mingei-Bewegung fordert. „Die großartige Tradition der japanischen und koreanischen Holzbrandkeramik und auch expressive Arbeitsweisen zeitgenössischer Keramikkünstler haben meinen Weg begleitet“, sagt Susanne Lukàcs-Ringel. Kraft und Ruhe für ihre Arbeit findet sie in der Natur. Das spürt auch der Betrachter und sicher auch der Benutzer solcher Gefäße.

Staatspreise Baden-Württemberg

Susanne Lukàcs-Ringel erhielt den Preis der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, verschiedene Keramiken. Royal-Porzellan

Die Staatspreisträgerin Martina Sigmund-Servetti aus Heilbronn arbeitet seit Jahren mit einer Inlay-Technik, bei der mit feinem Skalpell im lederharten Zustand Linien in das Gefäß gezeichnet werden. Anschließend werden die feinen Linien mit schwarzem Porzellan gefüllt und fein verschliffen. Das Gefäß wird zum Träger einer Zeichnung. Die graphischen Linien umfangen, unterstützen und straffen die Ausgangsform. „Wichtig bei meinen Arbeiten ist mir, den Gebrauchswert nicht aus den Augen zu verlieren“, erklärt die Keramikerin. Jedes Gefäß könne selbstverständlich benutzt werden, aber auch für sich alleine stehen.

Marlene Gmelin und Detlef Schmelz aus dem hohenlohischen Ingelfingen bauen sehr bewegliche und ausdrucksstarke Marionetten, führen ein Theater und lehren das Marionettenspiel. „Während ein Bildhauer beim Erarbeiten einer Skulptur all sein Können auf eine einzige Pose ausrichtet, muss eine gute Marionette in allen ihr möglichen Posen bestehen“, erklären sie. Durch die Arbeit der beiden Staatspreisträger sind viele andere Marionettentheater und das Pendel Marionettenfestival in Hohebuch entstanden. Es findet 2016 vom 28. bis 30. Oktober statt. http://www.pendelmarionetten.de/deutsch/festival/

Iris Bodemer aus Pforzheim zählt zu den wichtigen Künstlerinnen im zeitgenössischen Schmuck. Sie gewann mit ihrem „Relief“ bereits 2014 den renommieren Herbert Hofmann Preis der Handwerksmesse München. Das Objekt der Staatspreisträgerin ist ähnlich wie ein Puzzle aus 20 Broschen in Silberguss zusammengesetzt und befindet sich in der Sammlung des CODA Museums im holländischen Apeldoorn.

Ein Beispiel für innovativen Umgang mit Alltagsmaterialien stammt von der Textilgestalterin Annette Refenes-Hartmann aus Nattheim bei Heidenheim. Sie war elf Jahre als Dozentin für Fashion und Textile Design an der University of Technology in Sydney. Dort begann sie, mit einem in Australien gebräuchlichen Seil zu arbeiten. Dies formt sie mit Hilfe verschiedenfarbiger Nähgarne direkt beim Nähen zu individuellen künstlerisch anspruchsvollen Objekten.

Staatspreise Baden-Württemberg

Ausgezeichnet: Kerstin Müllerperth, Duftdosen Kern und Schale. Farbglas

Staatspreise Baden-Württemberg

Annette Refenes-Hartmann, Container 200316. Seil, rohe Baumwolle

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studio gutedort, Eva Schlechte und Jennifer Hier. Papierschüsseln (Prototypen), Serienfertigung durch Frauen in Jordanien. Papier, Kleister, Gewürze, Blüten, Blätter

Das Studio gutedort, geehrt mit einem Nachwuchspreis, wurde 2014 von den beiden Textildesignerinnen Eva Schlechte und Jennifer Hier gegründet. Bei ihrem Textil-Projekt „dandelion“ nutzen sie die färbenden Eigenschaften von Löwezahn. Mit Hilfe von selbst erzeugten Druckpasten ist eine Serie von Tüchern entstanden, die sich auf Blüte, Blätter und Wurzel des Löwezahns beziehen. Bei einem Charity-Workshop in Jordanien gab das Duo den Frauen einer Papierwerkstatt neue Impulse für die Gestaltung. Dabei wurden die Gegebenheiten und Potentiale vor Ort und die traditionellen Techniken genutzt. Entstanden ist eine Serie duftender, bunter Papierschalen, gestaltet mit heimischen Gewürzen und Pflanzen, das sowohl die abwechslungsreiche jordanische Küche, als auch die Landschaft des Landes widerspiegelt.

  • Hällisch-Fränkisches Museum
    Keckenhof 6
    74523 Schwäbisch Hall
  • Link

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