Andreas Rier bläst seine Glasobjekte teils in Holzformen, die er mittels Motorsäge und Schnitzmessern fertigt. Er ist inspiriert von der Natur, „von ihrem Wandel und ihrer Beständigkeit, ihrem Wachstum und Zerfall“, bekennt er. Rier ist einer von sieben KünstlerInnen, deren Werke Eva Maisch in diesem Jahr bei ihrem Sommerfest 2026 in Lindelbach präsentiert. Ihr Ausstellungsthema „Von Natur aus“ öffnet einen Raum, der uns in einer Zeit bedrohter Lebensräume und künstlicher Intelligenz elementar berührt. Kaum eine Kunstform ist ohne die Inspiration aus der Natur denkbar. Dies gilt besonders für die angewandten Kunst, die nur in der Verbindung von Hand und Herz, Materie und Geist bedeutsam wird.

Glasobjekt von Andreas Rier, einem aufstrebenden Künstler aus Südtirol.
Ein gutes Beispiel dafür bietet das Schmuckschaffen von Mirjam Hiller. Ihr Hauptmotiv ist die Suche nach Intensität und Verzauberung. Dafür erkundet die Schmuckkünstlerin die Schönheit der Natur ebenso wie unserer Kultur – um dann geduldig aus pulverbeschichtetem Stahl- oder Kupferblech filigrane, blütengleiche Gebilde zu sägen, zu biegen und zu falten. „Mein Ziel ist die Lebendigkeit des Schmuckstückes beim Tragen“, sagt sie.

Brosche mefaendas von Mirjam Hiller. Eleganz, konzeptionelle Kunst und Handwerk vereint.
Als Thema in der Bildenden Kunst und als Medium der Entschleunigung erfährt das Sticken seit Jahren eine Renaissance. Victoria Martini transformiert vergängliche Natur in grafische Schichtungen und Linienspiele. Organische Formen wie Löwenzahn, Vergissmeinnicht oder Wegerich erscheinen in zeitloser, zeichnerischer Ästhetik.

Natur bildnerisch transformiert mittels Nadel und Faden. Die Verwandlung I von Victoria Martini, 42 x 42 cm.
Konrad Koppold verwendet Holz von Bäumen, die von einem Sturm oder aus Sicherheitsgründen gefällt wurden. Besonders liebt der gelernte Tischler, heute ein internationaler Künstler, die knorrigen Baumkronen von Eichen, deren Astgabeln und Verwachsungen das Leben widerspiegeln. Dieses wird in jedem Detail seiner skulpturalen Holzobjekte sichtbar.

Für seine ausdrucksstarken Skulpturen nutzt Konrad Koppold gerne Eichenholz mit seinen lebendigen Verwachsungen und Strukturen.
Grundlage der Arbeiten von Christiane Englsberger ist die inzwischen fast vergessene Schweizer Strohflechtkunst. Dabei werden in Streifen geschnittene Strohhalme zu filigranen Blättern und Blüten geformt. Die reduzierte Farbigkeit, lässt ungewöhnliche Kopfbedeckungen und Objekte entstehen. Die natürlichen Materialien und Motive vermitteln eine unschuldige Fröhlichkeit und Romantik.

Strohflechten zählt zum immateriellen Kulturerbe in der Schweiz, geschützt durch die UNESCO. Die Brosche Girlande von Christiane Englsberger ist ein aktueller Beitrag.
Eine weitere Schmuckkünstlerin im „Naturreigen“ von Eva Maisch ist die in Würzburg geborene Petra Dömling. „Eine Blume aus unserem Garten als Form, ein Motiv auf einem Stoff als Prägung im Metall, eine Erinnerung als Abbild oder meine Umgebung als Bewegung sind Ausgangspunkt meiner Arbeit, aus Edelmetallbändern, ein Schmuckstück zu gestalten.“

Ohrschmuck aus der Serie Intens von Petra Dömling. Inspiriert von der Natur werden hauchdünne Edelmetallbänder zu Schmuckstücken geformt.
Die Keramiken des Ungarn Zsolt József Simon erinnern an Strukturen aus dem Pflanzen- und Tierreich oder an mikroskopisch kleine Kieselalgen. Die subtile Farbwahl unterstreicht die Bedeutung: „Weiß, das an Knochen erinnert, Gelb, das auf Flora hinweist, und Grau, das Geheimnisse vertieft.“ Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitagabend spricht Julie Metzdorf.

Keramikkünstler der Gegenwart haben sich vom Dogma des Gefäßes befreit, spielen aber gern mit seiner Symbolik. So wie es Zsolt József Simon bei Eva Maisch zeigt.
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