Clay II – Weltkunst in Charlottenburg

Die Herbstausstellung in der Galerie Brutto Gusto, Berlin

Mit der Ausstellung „Clay II“ widmet sich die Galerie Brutto Gusto in Berlin erneut der Vielfalt zeitgenössischer Keramikkunst. Drei Künstlerinnen mit grundverschiedenen Handschriften treffen aufeinander: Johanna Schweizer, Wietske van Leeuwen und Freeba Omidi-Sabet. Gemeinsam ist ihnen die Auseinandersetzung mit der keramischen Kunst jenseits der reinen Funktion – als Bildhauerinnen, Erzählerinnen und Formfinderinnen.

Drei keramische Weltanschauungen, stilvoll inszeniert in der Galerie Brutto Gusto. Foto def image, Berlin.

Johanna Schweizer 

Die schöne Form war noch nie das Thema der 1946 geborenen Johanna Schweizer aus dem niederländischen Breda. Obwohl ihre Kästen, Vasen und Becher erkennbare Ähnlichkeiten mit Gefäßformen aufweisen, und den Eindruck von Funktionalität erwecken, tendieren ihre Objekte viel mehr zur keramischen Skulptur.

Ihre von Hand aus Platten oder gekneteten Klumpen groben Schamottetons aufgebauten Objekte sind oft großformatig, mitunter doppelwandig und aus mehreren Einzelelementen zusammengesetzt. Johanna Schweizers Hintergrund als Druckgrafikerin und Illustratorin zeigt sich deutlich in der Oberflächenbehandlung: lineare Motive in Pigment oder Porzellanstreifen besitzen häufig eine erzählerische Qualität, mitunter einen charakteristischen Schalk oder auch eine archaische Note.

Johanna Schweizer, Untitled 1998. 38 x 39,5 cm. Foto def image, Berlin.

Nach Ansicht der Kuratorin Sonja Herst gründet Johanna Schweizers Werk auf persönliche Auffassungen von Tradition, Ästhetik und dem Handwerk der Keramik, verstärkt durch eine instinktive Affinität zum Ton. Die Inspirationsquellen für ihre Formensprache finden sich in den Traditionen antiker und außereuropäischer Kulturen. Dies hat dazu beigetragen, dass sich Johanna Schweizers Werk in stetigem Wandel befindet. Überzeugend sind die einzigartige Ausdruckskraft sowie der stimmige Dialog zwischen Form und Oberfläche – der sich stets weiterentwickelt.

Wietske van Leeuwen 

Kunstgeschichtlich bewegt sich die 1965 in Rotterdam geborene Wietske van Leeuwen in der Tradition des Mailänder Renaissancemalers Giuseppe Archimboldo (etwa 1527 –1595). Im Gegensatz zu dessen spektakulären Porträts – den in Ölmalerei verewigten Collagen aus Gemüse, Getreide, Obst, Fischen, Büchern oder Körben – erschafft Wietske van Leeuwen ihre dreidimensionalen Collagen und Assemblagen aus Ton. 

Wietske van Leeuwen, ein Beispiel ihrer Assemblagen aus Naturformen. Foto def image, Berlin.

Das Spektrum ihrer Gegenstände, Früchte und Lebewesen reicht von Römergläsern und aufgerolltem Tauwerk über Zitronen und Paprikas, Muscheln und Schnecken bis hin zu Stielen von Wildpflanzen wie Bärenklau. Geschichtet, glasiert und gebrannt entstehen originelle Schalen und Gefäße mit Deckel, die in der internationalen Keramikszene einzigartig sind. Häufig vergleichen Autoren ihr Werk mit Patisserie, doch handelt es sich bei ihren Stücken viel eher um zeitgenössische Prunkobjekte oder Tischschmuck, die wie Konversationsstücke funktionieren, schreibt Thimo te Duits aus Rotterdam.

Freeba Omidi-Sabet 

Die jüngste Entdeckung von Geer Pouls, dem Galeristen von Brutto Gusto, ist die 1970 geborene Freeba Omidi-Sabet. Die afghanische Keramikkünstlerin hat ihre Leidenschaft für Kunst in Deutschland entdeckt, das seit ihrem dreizehnten Lebensjahr ihre zweite Heimat geworden ist. Während ihres Modedesign-Studiums entwickelte sie sich als Autodidaktin zur Keramikerin weiter. Dabei übertrug sie die im Studium erlernten Techniken des Drapierens und Konstruierens auf ihre plastischen Keramikarbeiten.

Freeba Omidi-Sabet, Golden, 2025, 37 x 38 cm. Foto def image, Berlin.

Dieser selbst gewählte Weg ermöglichte es ihr, eine unverwechselbare künstlerische Sprache zu finden, geprägt von einer tiefen Verbindung zum Material und ihrer angeborenen Kreativität. Durch ihre Vorliebe für orientalische, aber minimalistische Formen entwickelte Freeba Omidi-Sabet eine besondere Leidenschaft für die Neuinterpretation der asiatischen Moon-Jar-Vasen. 

Zentrales Thema von Freeba Omidi-Sabet sind die aus Asien bekannten Mondvasen, jedoch in erdigen Tönen mit unvollendeten Öffnungen. Foto def image, Berlin.

Brutto Gusto ist mit seiner weltweit einzigartigen Mischung aus anspruchsvoller Galerie und Blumenladen einmal mehr eine sehenswerte Ausstellung in Berlin gelungen. Man fragt sich, warum dieses charmante Konzept in anderen Metropolen keine Nachahmer findet? 

  • Galerie Brutto Gusto
    Wielandstraße 34
    10629 Berlin 
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