Das Ladengeschäft und die Galerie des Bayerischen Kunstgewerbevereins (BKV) sind neben der Galerie Handwerk von zentraler Bedeutung für das Kunsthandwerk – weit über München und seine Grenzen hinaus. Nun hat der Vorstand des BKV die Schließung der Räume „mit großem Bedauern“ bekanntgegeben. Die für Juli geplante Ausstellung zum 175. Jubiläum des Vereins sowie alle für Herbst geplanten Ausstellungen entfallen.
Grund ist die defizitäre wirtschaftliche Entwicklung des Ladengeschäfts. „Die Entscheidung ist dem Vorstand sehr schwergefallen“, sagt Bernd Traut, scheidender Vorsitzender des BKV. „Der Umsatz des Ladens ist in den vergangenen Jahren zwar stabil geblieben, gleichzeitig sind jedoch insbesondere die Personal- und Energiekosten erheblich gestiegen. Trotz unserer treuen Stammkundschaft hat sich das Konsumverhalten im Bereich hochwertiger handwerklicher Produkte grundlegend verändert. Mit einer Trendwende ist derzeit nicht zu rechnen. Das Ladengeschäft kann deshalb auf absehbare Zeit nicht kostendeckend betrieben werden.“

Eine der jüngsten Ausstellungen in der Galerie des Bayerischen Kunstgewerbevereins in der Pacellistraße nahe dem Bayerischen Hof. © Ulrich Sanberger.
Der Bayerische Kunstgewerbeverein ist als gemeinnützig anerkannt. Er finanziert sich größtenteils aus Mieteinnahmen eines vereinseigenen Bürohauses. Als steuerlich eigenständiger Wirtschaftsbetrieb gehört jedoch das Ladengeschäft nicht zum gemeinnützigen Bereich. Seine Verluste dürfen deshalb nicht mit Mitteln des gemeinnützigen Vereins ausgeglichen werden. Die angrenzende Galerie für Angewandte Kunst gehört zum gemeinnützigen Bereich des Vereins. Dennoch hat sich der Verein auf hier zu einer temporären Schließung entschieden. Die freiwerdenden personellen Kapazitäten sollen genutzt werden, um ein neues, zukunftsfähiges Gesamtkonzept für den Laden und die Galerie zu entwickeln.

Besucherinnen in der Galerie des BKV vor einer Vitrine mit Taschen von Maria Verburg. © Ulrich Sanberger.
Die Wiedereröffnung der Galerieräume stehe dabei klar im Vordergrund, heißt es aus München. Als eine der wenigen Möglichkeiten für KunsthandwerkerInnen, ihre Arbeiten in einem hochwertigen Ambiente der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist die Galerie des BKV Bühne und Aushängeschild des bayerischen Kunsthandwerks. „Wir sind der Ansicht, dass zum Bayerischen Kunstgewerbeverein unbedingt eine Galerie gehört. Sie macht den Verein zu einem wichtigen Anlaufpunkt weit über München und Bayern hinaus. Hier können die Menschen sehen, was das bayerische Kunsthandwerk zu bieten hat, hier finden Gespräche zwischen Kunsthandwerkerinnen untereinander, aber auch mit Sammlerinnen, Kunden und Interessierten aus aller Welt statt“, sagt Bernd Traut. „Kunsthandwerk, das man nirgendwo mehr sehen kann, hat keine Zukunft.“
Bernd Traut gibt Vorsitz ab
Im Zuge der Neuausrichtung des Vereins legt Bernd Traut sein Amt als 1. Vorsitzender zum 30. Juni nieder. „Ich habe insgesamt 18 Jahre lang im Vorstand des BKV gearbeitet. Der Verein ist mir in all den Jahren eng ans Herz gewachsen. Mein Rücktritt erfolgt wahrlich nicht aus mangelndem Engagement, sondern gerade im Bewusstsein der Verantwortung, die mit diesem Amt verbunden ist. Ich danke allen, die den BKV getragen und unterstützt haben, für die Zusammenarbeit und wünsche dem Verein für die kommenden Entscheidungen und Entwicklungen alles Gute.“
Der Verein wird vertreten durch Nicole Schuster und Christine Demmel, die bisherigen Stellvertreterinnen. „In den 175 Jahren seit seiner Gründung hat der Bayerische Kunstgewerbeverein schon so manche Hürde nehmen müssen. Auch jetzt ist es wieder Zeit, das Bestehende zu hinterfragen und die Strukturen an die aktuellen ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen“, so Nicole Schuster.
Geschichte und Aufgaben des BKV
Der Bayerische Kunstgewerbeverein wurde 1851 mit dem Ziel gegründet, die Ausbildung und Qualität handwerklicher Gestaltung zu fördern. Der Austausch zwischen Gestalterinnen und Gestaltern, die Stärkung der öffentlichen Wahrnehmung des Kunsthandwerks sowie die Weiterbildung und Nachwuchsförderung spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Seit 1878 hat der Verein seinen Sitz in der Pacellistraße 6-8 in München. Am Vereinssitz befinden sich auf rund 300 m² neben der Geschäftsstelle auch ein Ladengeschäft und eine Galerie für Angewandte Kunst, in der jährlich acht wechselnde Ausstellungen u.a. aus den Bereichen Schmuck, Keramik, Glas, Metall, Holz, Textil und Papier gezeigt werden. Der Verein hat aktuell mehr als 400 Mitglieder, die Auswahl erfolgt durch eine Fachjury.