Friedrich Becker – Zum Spielen geboren

Gefäße aus Silber, kinetische Skulpturen und vor allem Schmuck. Die Ausstellung im Goldschmiedehaus Hanau.

Am 25. Mai 2022 hätte Friedrich Becker, 1922 bis 1997, seinen 100. Geburtstag gefeiert. In einer umfangreichen Jubiläumsausstellung wird im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau eine Übersicht über das Oeuvre des Goldschmieds und Kinetik-Künstlers geboten und mit zahlreichen Medienstationen kontextualisiert. Becker wollte keinen Schmuck machen, „der immer gemacht worden ist“ wie seine Frau Hilde Becker sagte. Er wollte etwas Neues schaffen. Seine Stücke sollten eine eigene Form besitzen, gleichzeitig aber die schmückende Funktion nie ablegen.

Friedrich Becker

Mit diesem Ansteckschmuck gewann Friedrich Becker 1965 den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen. 1962, Weißgold 750, Orientperlen.

Friedrich Becker war ein vielseitig neugieriger und technisch versierter Mensch. Er war zunächst Segelflieger, machte eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, studierte Luftfahrttechnik. Während seines Kriegsdienstes wurde er verwundet und stellte sich nach Kriegsende die Frage der beruflichen Existenz neu. Er probierte Zahntechnik aus, bevor er schließlich eine Lehre zum Goldschmied machte, besuchte die Meisterschule für Werkkunst, wurde dort Professor und lehrte zuletzt an der Fachhochschule Düsseldorf. In seinen Schmuckstücken und Objekten ist das „Streben […] selbst zu gestalten, mit den Gesetzen der Physik zu forschen, empirisch zu arbeiten, und mit großer Liebe kinetische Entwicklungen im Schmuckbereich, winzig klein, und im [G]roßen […]“ immanent. Wie kein anderer entwickelte Friedrich Becker technisch höchst anspruchsvollen Schmuck, die Mechanik verbirgt er gekonnt hinter der minimalistischen Formensprache. Mit der Kinetik versuchte er eine chaotische Welt ins Lot zu bringen.

Friedrich Becker

Bereits in diesem Ring von 1958 zeigt sich Friedrich Beckers Erfindungsreichtum. Die Enden der auslaufenden Ringschiene aus 750er Gelbgold bilden die Fassung des roten Turmalins.

Friedrich Becker

Früher kinetischer Zweifingerring 1987. Edelstahl, synthetischer Rubin. Fotos Michael Berger.

Angefangen bei frühen Arbeiten und klassischem Silbergerät spannt die Hanauer Ausstellung einen Bogen von Materialpurismus und neuen Werkstoffen über variablen und kinetischen Schmuck bis hin zur Dokumentation kinetischer Großobjekte. Die Wellenkinetik von 1990, eine Dauerinstallation im Goldschmiedehaus, dreht sich im Treppenhaus und ist ein eindrucksvolles Beispiel der raumgreifenden Arbeiten. Ein Großteil des Schmucks und der Objekte entfaltet sein volles Potenzial erst in Bewegung. Individuelle körperliche Impulse werden übersetzt, das Tragen von Beckers Schmuck ist immer ein besonderes Erlebnis. Für die Ausstellung wurde Dank der Erfahrungen Michael Bergers, langjähriger Mitarbeiter der Werkstatt Becker, der selbst kinetischen Schmuck herstellt, eine spezielle Präsentation für die kinetischen Exponate entwickelt. Diese ermöglicht es BesucherInnen eine große Anzahl der Schmuckstücke zu aktivieren und das Tragemoment in der Ausstellung nachzuvollziehen. An einem Großmodell des variablen Ansteckschmucks Perlendreieck von 1978 können zudem Anordnungen händisch ausprobiert werden.

Friedrich Becker

Durch seine Kinetik im Schmuck und in freien Objekten wurde Friedrich Becker international bekannt. Kinetischer Armschmuck, 1997, Edelstahl, synthetische Korunde.

Eine Vielzahl von Fotos, Dokumenten, Skizzen, und nicht zuletzt Videos, kontextualisiert die Werke, zeigt Entstehungsprozesse. Interviews mit Wegbegleitern und ehemaligen SchülerInnen machen darüber hinaus den Künstler Friedrich Becker nahbar. Werke der PreisträgerInnen des Friedrich Becker Preises Düsseldorf und eine Auswahl der Arbeiten von SchülerInnen zeigen eindrucksvoll den nachhaltigen Einfluss seines Schaffens. Julia Psilitelis, Deutsches Goldschmiedehaus Hanau

  • Deutsches Goldschmiedehaus Hanau
    Altstädter Markt 6
    63450 Hanau
    Deutschland
  • Link

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