Friedrich Becker Preisträgerin 2026 Veronika Fabian

Ausstellung bis 18. Oktober 2026 im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau.

Am 9. Mai 2026 wurde der mit 10.000 Euro dotierte Friedrich Becker Preis von der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. an Veronika Fabian verliehen. „Mit der diesjährigen Vergabe des Friedrich Becker Preises werden nicht nur das zehnte Jubiläum des Preises gefeiert, sondern auch die Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit von Schmuck, Gerät und Objekt gewürdigt“, heißt es aus Hanau. 

Veronika Fabian, Halsschmuck Spring ring XXXL / Clasp me firmly, hold me tight, 2023. Messing, Stahl. Gelötete, planierte, gepresste Ketten. 25,5 x 55 x 4 cm. Foto Veronika Fabian.

Veronika Fabian (*1979 in Kecskemét, Ungarn) studierte Schmuckdesign am Central Saint Martins, University of the Arts, London und belegte an der Gerrit Rietveld Academy das „MASieraad Challenging Jewellery“ Master Programm in Amsterdam. Zuvor war sie mehrere Jahre im Wirtschafts- und Finanzwesen tätig. Diese Zeit hat ihren Blick auf Schmuck wesentlich geprägt. Denn Veronika Fabian reflektiert die Konsumkultur und die Bedeutungen alltäglicher Objekte im persönlichen Leben von Menschen. Der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts, die Entstehung und der Zerfall von Wertzuschreibungen sind immer wieder Themen ihrer Arbeiten. Charakteristisch sind etwa Experimente mit industriell gefertigten Ketten, die sie durch Schmieden, Walzen und Löten verändert. Vergrößerte Karabinerverschlüsse, Ösen oder Federringe werden zu zentralen Elementen von Colliers. Auch verfremdet Veronika Fabian alltägliche Objekte, die mit Status und Identität assoziiert werden. Sie zersägt Weinflaschen, Parfum-Flakons, Nagellack-Fläschchen und fügt sie in neuer Form zu Ketten, die in ihrem Ursprung lediglich erahnbar bleiben. 

Die Jury begründete ihre Entscheidung für die Arbeit „Spring ring XXXL / Clasp me firmly, hold me tight“ von Veronika Fabian wie folgt: „Die ausgewählte Arbeit entfaltet Schmuckzitationen auf mehreren Ebenen. Ausgangspunkt ist der Federring, ursprünglich ein funktionaler Verschluss, der hier zum Halsreif vergrößert und damit zum tragenden Körper der Arbeit wird. Industriell gefertigte Ketten bilden das Ausgangsmaterial. In einem transformierenden Prozess werden sie zu einem feinwandigen Gefüge verdichtet, verlötet und gepresst. Aus der Linearität der einzelnen Ketten entsteht so eine neue, kompakte Form. Diese Verkettung von Formen und Zuschreibungen setzt sich auch auf der semantischen Ebene fort: Verschluss wird Schmuck, Serie wird Einzelstück, Funktion wird Zeichen. Durch diese materielle und symbolische Transformation werden mit der Arbeit Fragen nach den Normen und Konventionen des Schmucks gestellt. Ebenso nach Selbstbestimmung, Wert und Bedeutung innerhalb seiner funktionalen Codes.“

Friedrich Becker, Kinetischer Armschmuck Hommage á Chirico, 1988. Gelbgold, Brillanten, Diamanten. Foto Michael Berger.

Vom 9. Mai bis zum 18. Oktober 2026 ist die Ausstellung zum Friedrich Becker Preis 2026 im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau zu sehen. Parallel zur Ausstellung mit der prämierten Arbeit ist in der Foyervitrine bis zum 31. August 2026 ein erweiterter Einblick in das Werk der Preisträgerin zu sehen.

Insgesamt wurden zum Wettbewerb 150 Bewerbungen aus Europa, Asien, Nordamerika und Australien eingereicht. Die Jury mit Paul Derrez, Prof. Melanie Isverding und Dr. Christianne Weber-Stöber hat daraus 48 Positionen von 49 KünstlerInnen für die engere Auswahl nominiert, die in der Ausstellung präsentiert werden. Die Arbeiten überzeugen durch handwerkliche Präzision und Raffinesse ebenso wie gestalterische Ausdruckskraft. 

Sigurd Bronger, Halsschmuck Turbine Necklace No. 5, 2025. Verchromtes Messing, Stahl, Aluminium, Lack, Gummikordel, 9,2 x 9,2 x 4,7 cm. Foto Sigurd Bronger.

Sam Tho Duong, Halsschmuck TATTOO#9, 2025. Luftpolsterfolie, Steinperlen, Nylon, 2 x 16 x 262 cm. Foto Uwe Dettmar.

Seit 1999 fördert die Gesellschaft für Goldschmiedekunst alle drei Jahre mit der Vergabe des Friedrich Becker Preises die internationale Vernetzung der zeitgenössischen Schmuck- und Geräteszene. Der Preis wurde von Hildegard Becker (1928–2018) in Erinnerung an ihren Mann (1922–1997), den wegweisenden Goldschmied und Gestalter kinetischer Objekte, gestiftet. Die bisherigen acht Preisträger waren: Rudolf Bott (1999), Anette Walz (2002), Peter Bauhuis (2005), Robert Baines (2008), Alexander Vohswinkel (2011), Sam Tho Duong (2014), Michael Becker (2017), Junwon Jung (2020) und Norman Weber (2023).

In der diesjährigen Wettbewerbsausstellung im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau sind Arbeiten zu sehen von: Sharareh Aghaei (DE), Miriam Arentz (DE), Nicole Beck (DE), Michael Berger (DE), Alice Biolo (GB), Heather Blake (GB), Alexander Blank (DE), Iris Bodemer (DE), Catalina Brenes (IT), Helen Britton (DE), Sigurd Bronger (NO), Sungho Cho (KR), Soo Hyun Chou (KR), Sarah Cossham (DE), Andreas Decker (DE), Arianaz Dehghan (DE), Dong Ding (GB), Sam Tho Duong (DE), Veronika Fabian (HU), Benedikt Fischer und Rudy De Gruyl (NL), Yael Friedman (IL), Corrina Goutos (DE), Benedict Haener (CH), Juan Harnie (BE), Mirjam Hiller (DE), Koichi Io (JP), Mari Ishikawa (DE), Svenja John (DE), Empar Juanes (ES), Nikita Kavryzhkin (DE), Mira Kim (CA), Maria Konschake (BE), Andrew Lamb (GB), Xin Liu (CN), Christine Matthias (DE), Gina Nadine Müller (DE), Tim Neumann (DE), Sonia Pibernat (ES), Sarah Pulvertaft (GB), Jenny Scheidegger (CH), Karin Seufert (DE), Martina Tornow (DE), Tim Udvardi-Lakos (DE), Lingjie Wang (CN), Nana Watanabe (JP), Guja Youssefi (DE) und Yuzhe Zhang (CN).

  • Deutsches Goldschmiedehaus Hanau
    Altstädter Markt 6
    63450 Hanau, Deutschland
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