Mit einer „Landschaft“ aus Bildern und keramischen Skulpturen lädt das Künstlerpaar zu einem „Spaziergang“ in die großzügigen Räume des ehemaligen Brauhofs ein.
Gudrun Petzold spürt in ihrem keramischen Schaffen den permanenten Veränderungen in der organischen wie anorganischen Natur nach. Dabei schöpft sie vor allem aus der Naturbetrachtung. „Doch kennzeichnet ihre Formensprache zugleich ein hoher Grad an Abstraktion“, erklärt die Berliner Journalistin Elfi Kreis. Nahtstellen, raue Oberflächen und Bruchkanten zeugen von den Prozessen des Wandels und der Veränderung. Petzolds Auswahl der Werke in der Schöninger Ausstellung wurden angeregt durch Formationen des ehemaligen Kohletagebergbau in der Region und die im nahe gelegenen Paläon ausgestellten Fundstücke.

Gudrun Petzold, Keramische Skulptur, 2026, fragmentarisch, 18,5 x 27,5 cm.
Doppelwandige, weiß engobierte und aus schmalen Tonstreifen rotierend aufgebaute Formen erinnern an Gletschermühlen und verschwindende Gletscher. Mineralischen, geologischen Ursprungs scheint auch eine kleine Reihe von Schichtungen zu sein, die aus feinen Streifen farbigem Steinzeug kubisch aufgebaut und mit farbigen Engoben akzentuiert sind. Sie assoziieren abgelagerte Erd- und Gesteinsschichten könnten aber auch zivilisatorischen Ursprungs sein, freigelegt durch archäologische Stratographien.

Gudrun Petzold, blaue Versteinerung, 2026, 30,5 x 31,5 cm.
Versteinerungen hat Gudrun Petzold rotierende Körper mit weich fließenden, bewegten Formen genannt. Ihre dunkel glänzende Glasur, durchbrochen und dennoch ein Ganzes darstellend, lässt an eine Herkunft aus tiefem Gewässer und an ehemaliges Leben denken.

Gudrun Petzold, Kapsel-Skelett, 2026.
Das Spiel mit dem umgebenden Raum, wird in den spröden, starren Kapsel-Skeletten am deutlichsten. Doch auch hier verweist die statische Form auf vorhergehende Stadien, die zu durchlaufen waren, bevor die Kapsel, aufgerissen oder zerfetzt als Skelett zurückbleibt und neues Leben entstehen kann. Bei den fragmentarischen sich durchdringenden Formen sind innen und außen fast aufgehoben. Es geht um bruchstückhaft Überliefertes, um Fundstücke, deren Herkunft ungewiss ist.
Mitte der 1980-er Jahre, noch in Berlin lebend, filmte W. Jo Brunner in den Walliser Alpen mit einer Super-8 Filmkamera auf einem Stativ die Gebirgsszenerie im stetigen Wechsel von Nebel, dunklen „Höfen“, sonnigen Rasenbändern und Felsfragmenten. Diese elementaren Erlebnisse dienten als Vorlage für grau-weiße Bilder (Dispersion auf Nessel) im Format 180 x 170 cm. Dieses Thema hat der Künstler Jahre später in Öl auf Baumwolltuch im Format 120 x 100 cm wieder aufgegriffen.
Die Bilder setzen sich verstärkt mit den elementaren Veränderungen der Bergwelt auseinander, ausgelöst durch Erosion und Gletscherschmelze, die sich in Jahrmillionen, aber auch eruptiv vollziehen können. Wechselnde Witterungsverhältnisse, heraufziehende Nebelfelder, die allmählich oder schnell Felsmassive verbergen oder enthüllen, bringen eine zusätzliche zeitliche Dimension und andere Eindrücke in die Bildwelt. Zum ersten Mal, seit die grau-weißen Großformate im Neuen Berliner Kunstverein (1984) ausgestellt waren, werden in Schöningen auch wieder zwei dieser Bilder zu sehen sein.

W. Jo Brunner, Lac de Moiry, 2026, 120 x 100 cm.
Für W. Jo Brunner nicht weniger wichtig sind die informellen, kleinformatigeren Arbeiten auf Papier, in Mischtechnik aus Öl, Kreiden, Farb- und Graphitstiften, welche immer parallel zu den großen Bildern entstehen.

W. Jo Brunner, Ostabsturz, 2025, 21 x 29,7 cm.

W. Jo Brunner, Geschundener Bergwald, 2022, 24 x 30 cm.
In ihrem Text Gratwanderung schrieb Elfi Kreis: „Der Berg ruft und W. Jo Brunner antwortet mit dem vielschichtigen und kraftvollen Echo seiner Malerei, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, konkreter Anschauung und emotionaler Assoziation oszilliert. Dabei pendelt er zwischen seinem ganz eigenen und sehr speziellen Weg einer ‚gegenständlicheren Abstraktion‘ (Brunner), die er mit seiner Serie Bilder aus den Bergen beschreitet und der freien Gestik seiner Blattfolgen Begehung im Val Bondasca – von Bondo bis Sasc Furä, sowie Voglio vedere le mie montagne (Begegnung mit Giovanni Segantini) – nah am Informel.“
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