Mit Wild Company präsentiert das Kunstforum der Werkschule Oldenburg eine Ausstellung der süddeutschen Künstlerin Claudia Kraml, deren keramische Gefährten sich als wilde, zarte und zugleich überraschend menschliche Begleiter zeigen. Der Titel deutet bereits an, dass hier kein vertrautes Tierensemble zu erwarten ist. Vielmehr begegnet dem Publikum eine Gesellschaft aus eigenwilligen, liebevoll modellierten Wesen – eine „wilde Gesellschaft“, die sich aus Tierformen, menschlichen Anmutungen und den Zwischenräumen dazwischen zusammensetzt.

Claudia Kraml, Girlhood II. © Claudia Kraml.
Kramls Figuren sind Sympathieträger, obwohl – oder gerade weil – sie nicht dem Gewohnten entsprechen. Manche wirken scheu, andere trotzig oder selbstbewusst, doch alle scheinen mit einer inneren Stimme ausgestattet, die in stiller Präsenz in den Raum hineinwirkt. Ihre Blicke sind aufmerksam, suchend, manchmal herausfordernd, oft von einer melancholischen Tiefe geprägt, die berührt und irritiert. Viele dieser Wesen erinnern an Tierarten, entziehen sich jedoch jeder eindeutigen Zuordnung. Die Künstlerin spielt bewusst mit Identität und Erwartung: Ist ein vermeintlicher Fuchs vielleicht doch ein Wolf im Schafspelz? Oder bestimmt am Ende nicht die Hülle das Wesen, sondern umgekehrt? Durch diese Verschiebungen entstehen Figuren, die vertraut und fremd zugleich erscheinen – Geschöpfe einer Zwischenwelt, die die komplette Bandbreite menschlicher Empfindungen spiegeln.

Claudia Kraml, Armadillo 1.0, Höhe 20 cm. © Claudia Kraml.
Auch formal bricht Claudia Kraml konsequent mit Konventionen. Ihre Oberflächen zeigen das Raue, Schrundige und Verletzliche. Drahthaare an ungewöhnlichen Stellen und sorgfältig lackierte Finger- und Fußnägel setzen irritierende Akzente und verstärken die Spannung zwischen Ungeschöntem und Zartheit. Die Skulpturen wirken gezeichnet von Erfahrungen, Spuren und Brüchen – und gerade dadurch unverwechselbar lebendig.

Claudia Kraml, Down the rabbit hole, Höhe 50 cm. © Claudia Kraml.
In der Ausstellung begegnen die Besucher Figuren, die wirken, als seien sie aus einem Zwischenreich herübergetreten: Reisende, Grenzgänger, Suchende. Sie bewegen sich im Niemandsland zwischen Leben und Tod, Nähe und Fremde, Jetzt und Erinnerung. Ihre melancholische Poesie, ihre stille Weisheit und ihre kleine Narrenfreiheit machen sie zu berührenden, nachhallenden Erscheinungen – zu Gefährten im tiefsten Sinne.

Claudia Kraml, Moin 1, 26cm. © Claudia Kraml.
Claudia Kraml wurde 1977 in Kirch heim/Teck geboren. Bis 2014 arbeitete sie als Pflegefachfrau, bevor sie an der Freien Kunstakademie Nürtingen ein Studium in Malerei und Keramik absolvierte und 2019 abschloss. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Bissingen-Ochsenwang. Claudia Kraml arbeitet mit stark schamottiertem Ton und kombiniert verschiedene Techniken des Modellierens. Einige Plastiken entstehen massiv und werden später ausgehöhlt, andere hohl aufgebaut. Engoben, Farben, Drucktechniken und Oxidwaschungen werden in zahlreichen Schichten aufgetragen und in mehreren Brennphasen verdichtet. Ausgewählte Stücke erhalten abschließend feine Akzente wie Lüster, Gold oder keramische Schiebebilder. Durch diesen vielstufigen Prozess entstehen die charakteristische Vielschichtigkeit, Tiefe und fragile Ausdruckskraft ihrer Figuren. Die Einführung in die Ausstellung hält Puck Steinbrecher, Galerie Moderne, Bad Zwischenahn. Vernissage: Samstag, 18. April, 11 Uhr.
Internationale Keramiktage / Keramikerportrait
Einblicke in Claudia Kramls Arbeitsweisen und künstlerischen Hintergrund bietet das Keramikerportrait am 31.07.2026, Zeit: 9:30 – 15:30 Uhr, Preis: 60 Euro inkl. Mittagssnack. Anmeldung über www.werkschule.de
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