Moderne Keramik und Porzellanobjekte

Fünf Positionen zeitgenössischer Keramik in der BBK-Galerie im Glaspalast, Augsburg.

Der Berufsverband Bildender Künstler Nordschwaben und Augsburg e.V. (BBK) zeigt vom 19. September 2025 bis zum 19. Oktober 2025 fünf Künstlerpersönlichkeiten, die auf sehr unterschiedliche Weise die Möglichkeiten keramischer Gestaltung ausloten. Es ist die erste Ausstellung des BBK in seinem 76-jährigen Bestehen, die sich ausschließlich dem Thema Keramik mit dem Schwerpunkt Porzellan widmet. Entstanden ist diese Schau nach einer Idee von Karin Bauer. Die fünf Künstlerinnen und Künstler sind: Zsuzsa Füzesi, Susanne Petzold, Ulrike Spangenberg, Jochen Rüth und Otto Scherer.

Kleine Details spiegeln das Ganze wider. Keramik von Zsuzsa Füzesi. Zu sehen in der BBK Galerie im Glaspalast, Augsburg.

Die Zeit war reif, denn die moderne Keramik und zeitgenössisches Porzellan haben sich längst vom rein funktionalen oder dekorativen Objekt emanzipiert. Was einst Vase, Schale oder Figur war, wird heute in künstlerischer Freiheit aufgebrochen, verfremdet, neu gedacht. Formen verlieren ihre Zweckgebundenheit, Oberflächen erzählen von Brüchen, Experimenten, von Materialität als Ausdruck. Die Grenzen zwischen Skulptur, Installation und Gefäß verschwimmen. Manche Arbeiten erinnern nur noch entfernt an ihre traditionelle Herkunft – sie tragen das Gedächtnis des Handwerks, aber sprechen eine eigene, oft radikal zeitgenössische Sprache. Keramik wird dabei nicht zum bloßen Material, sondern zum Medium für gesellschaftliche, emotionale oder poetische Themen. Sie ist nicht mehr nur schön, sondern auch fragend, fordernd, formlos. Wer hinsieht, erkennt: Auch das Fragile kann stark sein. Alle fünf Künstlerinnen und Künstler wurden in der Vergangenheit in vielen Ausstellungen gezeigt und mit Preisen geehrt. Hier sind sie erstmals vereint und kurz vorgestellt:

Zsuzsa Füzesi

Die Keramikerin Zsuzsa Füzesi, geboren 1953, ist eine Ungarisch-schweizerische Künstlerin. Sie verbindet in ihrer Keramikkunst philosophische Tiefe mit technischem Können. Ihr Arbeit basiert auf der Idee der Selbstähnlichkeit. Das kleine Detail ähnelt dem gesamten Objekt. Deutlich wird es in ihrer Serie Koan, in der sie die Zen-Buddhistische-Aufgabe, sich von der Logik des Denkens zu lösen, in ihren keramischen Arbeiten materialisiert.

Susanne Petzold

Susanne Petzold ist 1978 in Dresden geboren. Nach ihrem Kunststudium mit Diplom im Fach Keramik an der Burg Giebichenstein eröffnete sie 2006 in Dresden ihr eigenes Atelier. Ob als Malgrund, als Baustoff bzw. Baustein für gestische Raumzeichnungen, stop motion Kulisse, Schnipsel für plastische Collagen oder als Werkstoff für verschiedenste Gefäße ist ihr Material das Porzellan. Immer spontan und intuitiv, offen für allerlei Assoziationen und die Grenzen des Materials auslotend. Die BBK Galerie im Glaspalast wird zur Bühne auf der ihre Porzellanbausteine mit den Ausstellungsstücken der verschiedenen Kollegen in einen Dialog treten und zu einer speziell auf den Raum bezogenen Installation werden.

Mit ihrer Sammlung aus „Porzellanbausteinen“ aus den Jahren 2010-25 schafft Susanne Petzold raumbezogene Installationen.

Ulrike Spangenberg

Ulrike Spangenberg lebt in Gröbenzell bei Fürstenfeldbruck. Lassen wir sie selbst zu Wort kommen: „Das Wesen eines Dinglichen oder Begrifflichen zu erfassen und bildnerisch in eine schlüssige Form umzusetzen ist mein künstlerisches Anliegen. Die Entdeckung des tieferliegenden Bildes dessen, was das Auge zunächst sieht, treibt mich an. Meine Wahl der jeweils verwendeten Materialien hängt unmittelbar und differenziert mit der beabsichtigten Aussage zusammen.“ Die Keramischen Plastiken beziehen sich auf bestimmte Funktionen des menschlichen Gehirns. Sie zeigen einen Aspekt aus meinem Arbeitszyklus auf den 2. Blick. Dabei richtet sich der Fokus auf unsere fünf Sinne mit ihren zahllosen Sinneszentren beider Hemisphären.

Kopfplastik von Ulrike Spangenberg.

Jochen Rüth

Jochen Rüth, 1960 in Würzburg geboren, befasst sich mit der Herkunft des Materials. Seine Arbeiten, die wie Produkte geologischer Prozesse erkannt werden, sind keine Nachbildungen, sondern Ergebnisse eigener Tonmischungen und unkonventionellen Brandreaktionen. Daraus entstehen klassische gedrehte Gefäße und skulptural, fragmentierte Körper. Seine Lava-esken Objekte, die wie aus der Erde gepresst vor einem erscheinen, sagen uns, dass auch das „in Stein geschlagene“, sich in Bewegung befindet. Man möchte fast sagen: Alles fließt.

Geoden nennt der Keramikkünstler Jochen Rüth diese Objekte.

Otto Scherer

Otto Scherer wurde 1955 in Siebenbürgen geboren. Seine Ausbildung erhielt er an der Kunsthochschule Kronstad, heute Brașov. Er lebt und arbeitet in Pürgen bei Landsberg. Um seine präzisen geometrischen Figuren zu gestalten, arbeitet Scherer mit einem hohen Schamottanteil, der sich besser formen lässt. Daraus entstehen werkzyklische Arbeiten, deren Formen sich von Jahr zu Jahr verändern: Quadrate, Kugeln, Zylinder und so weiter. Die glänzenden Oberflächen verraten oft nicht das Material und wirken wie Rüstungen und überdecken die Zerbrechlichkeit seiner Arbeiten.

Wandobjekt aus Keramik von Otto Scherer.

Ausstellungseröffnung Freitag, 19. September 2025 um 19.00 Uhr. Laudatio: Wolfgang Loesche, ehemaliger Leiter der Galerie Handwerk, München. Musik: Ruth Rossel, Cello und Loop. An der Vernissage und am Sonntag 19.10. sind die Künstler anwesend.

  • BBK-Galerie im Glaspalast
    Beim Glaspalast 1
    86153 Augsburg
  • Di, Do, Sa und So von 13 - 17 Uhr
  • Link