Über den Tod hinaus

Würdevolle Bestattungen mit angewandter Kunst. Lydia Gastroph und Stephan Alof machen‘s möglich.

Lene Jünger, Martina Huber

Trauerfeier mit „w e i s s über den tod hinaus“. Urne von Lene Jünger, Blumen von Martina Huber.

Lydia Gastroph hat von 1979 bis 1985 an der Münchener Akademie der Bildenden Künste im Bereich Schmuck und Gerät bei Hermann Jünger studiert. Anschließend gründete sie ein Schmuckatelier. 2010 stellte sie eine Kollektion mit anspruchsvoll gestalteten Urnen und Särgen unter dem Namen „w e i s s über den Tod hinaus“ vor. Seit 2019 bietet Lydia Gastroph mit ihrem Geschäftspartner Stephan Alof komplette Bestattung an. Die E-Mail-Korrespondenz begann mit einer Anfrage an Lydia Gastroph, die wegen ihres Profils https://artaurea.de/profiles/weiss-ueber-den-tod-hinaus/ bei Art Aurea landete. Nachdem wir die Mail weitergeleitet hatten, erhielten wir folgende Nachricht:

Lieber Reinhold,

danke für die Weiterleitung. Es gibt sehr gute Neuigkeiten trotz oder wegen Corona: Inzwischen bin ich sehr erfolgreich mit meinem Bestattungsunternehmen „w e i s s über den tod hinaus“. Ich musste sogar mehrfach meinen Urlaub verschieben, weil wir so viele Aufträge hatten. Bestattungen kann ich jetzt komplett anbieten, da gäbe es sehr viel zu erzählen … Vielleicht wäre es auch mal eine Idee, wenn Art Aurea uns mal komplett bei einer Beerdigung begleiten würde, um zu zeigen, wie es ganz anders sein kann.

Die Menschen spüren in der Corona-Krise verstärkt, dass billige Massenware weder schön noch nachhaltig ist – auch nicht beim letzten Gang. Außerdem ist eine neue Solidarität entstanden. Es wird sehr positiv empfunden, dass wir KünstlerInnen und HandwerkerInnen Aufträge bringen, die diese jetzt alle sehr nötig haben. Als die Grenzen dicht waren, zeigte sich zudem, dass es besser ist, seinen Sarg beim Schreiner zu Hause bauen zu lassen statt Billigsärge aus Rumänien zu importieren.

Ich bin sehr froh und auch etwas stolz, dass ich bis jetzt durchgehalten und kompromisslos auf künstlerische und handwerkliche Qualität gesetzt habe. Es war eine richtige und weise Entscheidung. Ich hätte nicht gedacht, dass man im Alter noch mal so durchstarten kann.

Du sprichst mir mit Deinen Editorials und Newslettern jedes Mal sehr aus dem Herzen. Es ist bewundernswert, wie Du Dich einsetzt. Auch meinem Geschäftspartner Stephan Alof gebe ich immer Deine Texte zu lesen.

Alles Gute, lass uns in Kontakt bleiben, wir planen ein großes Event, wenn wir unsere neuen Geschäftsräume einweihen … Dann seid ihr selbstverständlich eingeladen.

Liebe Grüße, Lydia

Jo Jünger, Lene Jünger

In einem Sarg ihrer Tochter Lene wurde Jo Jünger beerdigt. Sie war die Frau des Goldschmieds und ehemaligen Professors an der Akademie der Bildenden Künste Hermann Jünger.

Wolfgang Dauner

Auch für die Stuttgarter Jazzlegende Wolfgang Dauner schuf „w e i s s über den Tod hinaus“ einen würdigen Rahmen.

Liebe Lydia,

ich freue mich sehr, dass Dein Bestattungsunternehmen, mit dem Du viele KünstlerInnen förderst, so gut floriert. Das ist doch gelebte Kultur, die auch das unvermeidliche Ende nicht verdrängt. Die Idee, eine Bestattung mit den wunderbaren Urnen oder Särgen der KünstlerInnen journalistisch zu begleiten, greifen wir gerne mal auf. Das Thema passt gut in unseren zunehmend ganzheitlichen Ansatz, das heißt die Einbettung von Kunst und Handwerk in das Große und Ganze. Eure Bestattungsfirma ist das beste Beispiel dafür. Da ja auch der künstlerische Schmuck und die Gefäße jenseitige Dimensionen haben, ist das doch eine großartige Ergänzung.

„Im Alter nochmal durchstarten“ ist ein gutes Motto, besonders wenn es darum geht, einen sinnvollen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten. Die Corona-Krise hat, glaube ich, viele nachdenklich gemacht und darin bestärkt, dass wir nicht mehr wie bisher weitermachen können. Weniger wegen Corona als vielmehr wegen dem immer bedrohlicheren Artensterben haben wir in diesem Jahr unseren Garten noch mehr wuchern lassen als bisher. Dabei denke ich immer mal an Hermann Jüngers Allegorie, dass der zeitgenössische Schmuck die lebendige Blütenwiese ist.

Viele Grüße und einen schönen Abend

Reinhold Ludwig, Art Aurea

Ludwigs Garten: Zwischen Rosmarin, Salbei und Minze darf es für Insekten und Vögel üppig wuchern.

Lieber Reinhold,

ich kenne inzwischen viele, die nachdenklich geworden sind und ihr Verhalten ändern. So wie Du merke ich das auch an mir selbst und an meinem Kaufverhalten. Ich erlebe es auch, wenn ich meine Bestattungsprodukte und -philosophie erkläre. Unsere Kunden sind dankbar und begeistert, dass sich die Wertschätzung gegenüber den verstorbenen Angehörigen endlich auch in der Begräbniskunst widerspiegelt und nicht in krasser Diskrepanz zu einem individuell gelebten Leben steht. Industriell gefertigte Massenware bei Bestattungen kann ein solches Leben nicht repräsentieren.

Übrigens nehme ich gerne weitere KünstlerInnen auf in mein w e i s s-Netzwerk, wenn sie sich professionell mit Trauerkultur und Abschiedskunst beschäftigen. Mir ist außerdem aufgefallen, dass in diesem Zusammenhang für die künstlerischen und handwerklichen Arbeiten angemessene Preise bezahlt werden. Spätestens seit Corona ist vielen klar geworden, was es für unsere Städte bedeutet, wenn Handwerk, Kunst und Kultur verschwinden.

Ich denke oft darüber nach, wie sich wohl unser Leben in Zukunft verändern wird und sehe in der Krise wirklich eine große Chance. Sie hat ein kollektives Nachdenken bewirkt und viele spüren diese positiven Veränderungen.

Euch alles Gute und bis bald zur offiziellen Geschäftseröffnung von Stephan Alof und mir.

Lydia

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